05. Feb 2008 12:46
Der Mensch bringt Klimaprozesse zum Kippen. Forscher haben neun Ursachen für potentielle Änderungen im weltweiten Klimasystem zusammengestellt, das arktische Meereis gilt als besonders akute Schlüsselstelle.
Der Grönländische Eisschild und das arktische Meereis sind besonders anfällige «Kippelemente», berichten Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschungund sein britischer Kollege Timothy Lenton.Die Erkenntnisse basieren auf den Ergebnissen eines Workshops mit 36 führenden Klimaforschern und der Befragung von 52 Experten. Die neun «Kippelemente» sollten in der Klimapolitik besonders berücksichtigt werden, rät das Team in den «Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS).
Die borealen Nadelwälder auf der Nordhalbkugel werden nach Ansicht der Experten bei drei bis fünf Grad Erwärmung durch Krankheiten, Trockenheit und Hitze im Sommer innerhalb von 50 Jahren großenteils absterben. Der Amazonasregenwald werde durch Entwaldung und Erwärmung derart geschädigt, dass er nach Modellaussagen in dieser Zeitspanne ebenfalls großflächig zerstört sein werde.Als weitere «Kippelemente» wurden das Klimaphänomen El Niño, der indische Sommermonsun und der große Wasserkreislauf im Atlantik, die sogenannte Thermohaline Atlantikzirkulation, definiert. Dabei könnte der indische Monsun bereits in einem Jahr «kippen», also kollabieren, befürchten die Wissenschaftler. Angesichts der potenziell dramatischen Auswirkungen der «Kippelemente» setzen die Autoren darauf, dass der Klimaschutz verstärkt wird. Sie fordern unter anderem bessere Anpassungsstrategien an den Klimawandel als die «bisherigen Schritt-für-Schritt-Konzepte». (nz/dpa)