31.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Solaranlagen sollen in Marburg Pflicht werden
Als erste Stadt in Deutschland will Marburg eine Solaranlagen-Pflicht einführen. Die Hauseigentümer kritisieren das als Zwang - denn sie sollen die Rechnung begleichen.
Die Stadt Marburg will Solaranlagen nach und nach an allen privaten und gewerblichen Gebäuden im Stadtgebiet zur Pflicht zu machen. Dies sieht ein Satzungsentwurf des städtischen Baudezernats vor, der am Mittwochabend in Marburg der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
Die Ausstattungspflicht soll sowohl für Neubauten gelten als auch für alte Gebäude, deren Dächer oder Heizungsanlagen saniert werden. Ausgenommen sein sollen bestimmte unter Denkmalschutz stehende Gebäude und Häuser mit Dächern, die immer im Schatten sind. Die Kosten soll der jeweilige Gebäudebesitzer tragen.
Eigentümer kritisieren Zwang zum UmweltschutzDie hessische Eigentümerschutzgemeinschaft «Haus & Grund» kritisierte die Pläne als massiven Eingriff in die Eigentumsfreiheit. «Grundsätzlich sind wir immer für Umweltschutz, aber nicht wenn er unter Zwang eingefordert wird», sagte Geschäftsführer Rainer Flatter. Marburgs Einwohnern kraft Satzung Kosten für Solaranlagen aufzubürden, sei inakzeptabel.
Mit einer flächendeckenden Solaranlagen-Baupflicht wäre das mittelhessische Marburg nach Stadtangaben bundesweit Vorreiter. Eine Solaranlagen-Pflicht gebe es in Deutschland zwar bereits in einigen Städten – allerdings bisher nur für begrenzte Neubaugebiete wie etwa im nordhessischen Vellmar.
Kosten von mindestens 5000 EuroStatt auf Gas und Öl müsse langfristig auf unbegrenzte Ressourcen wie Sonne oder Wasser und regenerative Energien gesetzt werden, sagte Marburgs Bürgermeister und Baudezernent Franz Kahle (Grüne) am Donnerstag. Mindestens 5000 Euro müsse ein Hausbesitzer für eine Solaranlage aufbringen. «Bei den heutigen Ölpreisen sind die Investitionskosten in 10 bis 15 Jahren ausgeglichen», sagte Kahle.
Im Frühjahr soll der überarbeitete Entwurf zur solaren Baupflicht in die Stadtverordneten-Versammlung eingebracht werden. Wenn er dann vom Stadtparlament verabschiedet werde, könne die Solaranlagen-Pflicht schon zum Sommer in Kraft treten, sagte Kahle. (dpa)