Brasilianischer Regenwald dem Tode nah
25.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Verstärkung aus der Hauptstadt ist dringend notwendig. Denn in Brasiliens «Wildem Westen» machen die Lokalpolitiker vor Ort allzuoft gemeinsame Sache mit Holzfällern, Viehzüchtern oder Sojabauern. Mato Grosso ist der Bundesstaat, der die Statistik der Zerstörung regelmäßig anführt. Gouverneur Blairo Maggi ist ein Verbündeter des Präsidenten und Brasiliens größter Sojaproduzent. Greenpeace verlieh ihm 2005 die «goldene Kettensäge». Maggi führt den Drei-Millionen-Staat wie seinen eigenen Konzern.
Darüber kann Mauro Armelin von der Umweltstiftung WWF nur lachen. «Durch die Ausweisung neuer Anbauflächen für Soja oder Zuckerrohr in anderen Landesteilen wird die Viehwirtschaft immer stärker nach Amazonien gedrängt», sagt er. Und schließlich habe der Präsident den Bundesstaaten mehr Zuständigkeiten beim Umweltschutz übertragen - trotz der starken Widerstände vor Ort. 2007 war das Jahr, in dem erstmals kein einziges neues Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde.
In den vergangenen fünf Jahren wurde zudem die Viehzucht in Amazonien mit günstigen Krediten von umgerechnet 750 Millionen US-Dollar gefördert, schätzt das Forschungsinstitut Imazon. Ein Aktionsplan von 2004 wurde nur zu 40 Prozent umgesetzt, kritisiert Greenpeace-Aktivist Paulo Adário: «Die Regierung hat eine Riesenchance vergeben, in Zeiten der Rohstoff-Flaute die Strukturmaßnahmen ihres eigenen Plans umzusetzen. Es ist die Chronik eines angekündigten Todes.»
Nun will die Zentralregierung in den 36 am meisten betroffenen Gemeinden Amazoniens durchgreifen. Wer Wald zerstört, soll keine staatlichen Kredite mehr bekommen, sein Land soll konfisziert werden. Sämtliche Grundstücke müssen neu registriert werden. Bei der letzten Revision (1999-2002) wurde in Brasilien eine Fläche von 930.000 Quadratkilometern umgewidmet - fast ein Viertel davon steht mittlerweile unter Naturschutz.
Dass Lula internationalen Druck fürchtet, machte er am Mittwoch deutlich, als er die Entwaldung als «Verbrechen gegen die Wirtschaft» bezeichnete: «Sobald die Welt merkt, dass Amazonien zerstört wird, um Soja, Zuckerrohr oder Rindfleisch herzustellen, werden wir weniger wettbewerbsfähig», warnte der Präsident. (Von Gerhard Dilger, epd)

