03.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Bestimmte Arten von Zugvögeln sind auch vom Klimawandel bedroht
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Studien haben ergeben, dass Zugvögel wie der Pirol oder der Gartenrotschwanz sowie die Pflanze Brocken-Anemone gefährdet seien. Außerdem gebe es auch natürliche Ursachen für die Arktis-Erwärmung.
Der Klimawandel bedroht in Deutschland tausende Tier- und Pflanzenarten. Nach vorläufigen Studien könnten 5 bis 30 Prozent aller einheimischen Arten für immer verschwinden, sagte die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Beate Jessel, der «Berliner Zeitung». Sie äußerte sich auch zur UN-Naturschutzkonferenz, die erstmals in Deutschland stattfindet. Vom 12. bis 30. Mai beraten Vertreter der 190 Vertragsstaaten der Konvention über die biologische Vielfalt unter dem Motto «Eine Natur - eine Welt - unsere Zukunft» in Bonn. «Im Vordergrund steht für mich ein besserer Schutz der Wälder und Moore», sagte Jessel. «Das nützt auch dem Klima, weil beide wichtige Kohlendioxidspeicher sind.»
Besonders betroffen von der Erderwärmung seien Arten, die in Gewässern, Mooren, im Hochgebirge oder an den Küsten leben, erklärte die seit November amtierende Behördenchefin. «Hier sind bei manchen Arten bereits erkennbar Veränderungen zu verzeichnen.» Jessel meinte: «Wir müssen die Bedrohungen durch den Klimawandel sehr ernst nehmen, sollten uns vor Übertreibungen aber hüten.» Zum Artensterben trage auch bei, dass viele Lebensräume schrumpfen. Auch Zugvögel wie der Pirol oder der Gartenrotschwanz seien gefährdet. Als Beispiel für gefährdete Pflanzen nannte Jessel die nur auf der Bergspitze des Harzgipfels vorkommende Brocken-Anemone, die bei einem Temperaturanstieg ganz verschwinden könnte.
Natürlicher EnergietransferAndererseits gibt es einen Zuzug neuer Arten. «Einige Schmetterlingsarten sind schon bis zu 240 Kilometer nach Norden gewandert oder treten vermehrt in Deutschland auf.» Auch der Bienenfresser, die Feuerlibelle und Wespenspinne kämen aus dem Süden nach Deutschland. Die Freude über neue Arten werde aber überschattet durch die Sorge über die zunehmende Verbreitung von Schädlingen und Überträgern von Krankheiten, sagte die Präsidentin des Bundesamts. «Wir werden mehr Borkenkäfer bekommen, die unsere Wälder schädigen. Das Auftreten von Moskitos und Zecken wird zunehmen und damit auch ernste Krankheiten wie Borreliose oder Hirnhautentzündung.»
In einer am Donnerstag im Fachmagazin «Nature» veröffentlichten Studie heißt es unterdessen, die drastische Erwärmung der Arktis könnte Wissenschaftlern zufolge zum Teil auch auf natürliche Ursachen zurückgehen. Forschungsergebnisse deuteten darauf hin, dass es neben dem vom Menschen verursachten Klimawandel einen natürlichen, periodischen Anstieg an Energie in der Atmosphäre gebe. Dieser von Süden nach Norden verlaufende Energietransfer beruhe auf Stürmen und Meeresströmungen.
Weil sich die Luft in großen Höhen deutlich stärker erwärme als in Klima-Modellen berechnet, stecke hinter den Veränderungen in der Arktis möglicherweise mehr als der Klimawandel, berichtet das Blatt. Im Sommer 2007 verloren die Arktis und Grönland mehr Treibeis und Masse an Eisdecke als jemals zuvor. Im September wurden im arktischen Meer 23 Prozent weniger Treibeis registriert als beim letzten Rekord-Tief. Die Eisdecke in Grönland verlor 19 Milliarden Tonnen mehr als bei der bisherigen Rekord-Messung. Rune Graversen von der Universität Stockholm, einer der Autoren der Studie, betonte, die Annahme natürlicher Ursachen stehe nicht im Widerspruch zur allgemein angenommenen globalen Erwärmung. (AP)