netzeitung.deUSA sträuben sich gegen Emissionsziele

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Kein weißer Rauch in Bali (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Kein weißer Rauch in Bali
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Auch nachdem Australien den Kyoto-Vertrag unterschreiben hat, weigern sich die USA, verbindliche Klimaschutzziele festzusetzen. Der balinesische Umweltminister hat allerdings eine Taktik parat.

Trotz steigenden Drucks aus dem In- und Ausland sträuben sich die Vereinigten Staaten im Kampf gegen den Klimawandel weiter gegen die Festlegung verbindlicher Emissionsziele. Weder die Änderung der australischen Haltung noch eine neue Initiative im US-Senat werde die US-Delegation auf Bali umstimmen können, sagten führende Delegationsmitglieder am Donnerstag auf der Weltklimakonferenz in Indonesien.

Der Staatssekretär im US-Außenministerium, Nicholas Burns, sagte am Donnerstag, seine Delegation werde sich dem Druck nicht beugen, der von dem Meinungsumschwung in Australien ausgehe. Australien hat nach einem Regierungswechsel den 2012 auslaufenden Kyoto-Vertrag jetzt doch noch unterzeichnet und unterstützt die Forderung, die Emissionen bis 2020 auf 40 Prozent unter die 1990 gemessenen Werte zu drücken.

Der Druck auf die USA kommt allerdings auch zunehmend aus dem eigenen Land. Der Umweltausschuss des Senats billigte am Mittwoch ein Gesetz, das die Drosselung der Treibhausgasemissionen von Kraftwerken, Industrieproduktion und Autoverkehr bis 2050 um 70 Prozent vorsieht. Die Gesetzesvorlage geht nun an das Plenum des Senats. «Das ist eine sehr willkommene Entwicklung», sagte auf Bali Alden Meyer von der Union Besorgter Wissenschaftler. «Dies zeigt die wachsende Isolierung der Regierung Bush in dieser Frage.»

Die USA werden mit ihrer Position für freiwillige Zielvorgaben noch von Japan unterstützt. Der gastgebende indonesische Umweltminister Rachmat Witolaer sprach von einer ernsten und konzentrierten Atmosphäre bei den Beratungen der Konferenz. Es gebe weiter die Hoffnung, dass die Delegation der USA ihre bisherige Haltung überdenken werde. «Ich denke nicht, dass wir sie unter Druck setzen sollten», sagte der Minister. «Sie werden schon von allein kommen.» Niemand sollte dämonisiert werden, mahnte der Gastgeber und fügte hinzu: «Wir haben noch eine weitere Woche.»

Am gleichen Tag veröffentlichten 213 führende Klimaforscher einen Appell: Es sei genug geredet worden, heißt es darin an die auf Bali versammelte Staatengemeinschaft unter dem Dach der Vereinten Nationen. Jetzt müsse gehandelt und der Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen bis 2050 halbiert werden. «Es gibt keine Zeit zu verlieren.»

Der Vorschlag einer Halbierung der Emissionen bis 2050 könnte nach Einschätzung der Wissenschaftler die globale Erwärmung auf zwei Grad oberhalb der Durchschnittswerte bremsen, wie sie vor der Industrialisierung bestanden. Dies würde die Welt vor existenziellen Folgen des Klimawandels bewahren wie steigende Meeresspiegel, Dürre und Artentod. Dieses Zwei-Grad-Ziel wurde auch von der Europäischen Union übernommen. Zu den deutschen Unterzeichnern gehören der Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, Martin Claussen, und der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber. (nz/dpa)