01.12.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Wenn die Unterhändler in diesen Tagen zum Weltklimagipfel nach Bali reisen, erwartet sie ein geschundenes Land. Ein Greenpeace-Experte beschreibt die Situation.
Das Touristenparadies Indonesien hat zwar nur unter den Folgen des Massentourismus zu leiden, in weiten Teilen der indonesischen Hauptinseln Sumatra, Java und Borneo jedoch schreitet die Zerstörung der Umwelt durch illegale Entwaldung und Trockenlegung der uralten Moorböden voran. Innerhalb kurzer Zeit wurde das aufstrebende Schwellenland so zu einem der größten Erzeuger klimafeindlicher Gase.
«Diese Umweltprobleme sind am Konferenzzentrum nicht zu sehen», sagt Greenpeace-Waldexperte Martin Kaiser. Doch die traumhaft schöne Umgebung auf Bali dürfe beim UN-Klimagipfel nicht darüber hinwegtäuschen, dass in dem Inselstaat jährlich 2,6 Milliarden Tonnen CO2 entstünden - mehr als in Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen.
Pro Stunde 300 FußballfelderDrei Viertel dieser Emissionen schreibt die Umweltschutzorganisation der fortschreitenden Entwaldung zu. Als ein Ergebnis des Bali-Gipfels wünscht sich Greenpeace deshalb ein Entwaldungs-Moratorium. Der illegale Holzeinschlag sei vor allem wegen der drastisch gestiegenen Nachfrage nach Palmöl attraktiv.
Um Platz für Plantagen zu schaffen, werde etwa auf Sumatra pro Stunde eine Waldfläche größer als 300 Fußballfelder abgeholzt. «Hier muss die indonesische Regierung endlich ihre Hausaufgaben machen und gegen die illegale Abholzung vorgehen», verlangt Kaiser. Auch die Bundesregierung sei gefordert: «Sie muss die unsinnige Beimisch-Quote für Biosprit zurücknehmen.»
Außerdem müssten der indonesischen Bevölkerung Alternativen zur Abholzung aufgezeigt und finanzielle und technische Unterstützung gewährt werden. Laut Greenpeace ist der indonesische Urwald einer der wichtigsten CO2-Speicher der Welt. Die bis zu zehn Meter tiefen und bis zu 10.000 Jahre alten Moor-Torf-Böden speicherten mehr Kohlenstoff als andere Landökosysteme.
Beim Plantagenbau jedoch würden der Torf ausgetrocknet und CO2 und große Mengen des noch wesentlich gefährlicheren Methans freigesetzt. Auch steige in der Region die Gefahr großflächiger Waldbrände: «Bei extremen Hitzeperioden braucht es schon heute nicht mehr viel, damit sich ganze Regionen in Rauch und Staub auflösen.» (AP)