Letzte Ausfahrt Bali
02.12.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Die Bali-Konferenz gilt als wichtigste internationale Verhandlungsrunde zum Klimaschutz seit Jahren. Nie zuvor stand der Klimaschutz derart im Fokus der Weltöffentlichkeit und auch auf der Agenda der Politik wie derzeit. Der G8-Gipfel von Heiligendamm im Juni oder das Treffen von mehr als 80 Staats- und Regierungschefs vor der UN-Vollversammlung in New York im September mit ihren Signalen für Bali markieren das neue politische Gewicht des Themas.
Aufgerüttelt und zum dringlichen Handeln gemahnt haben vor allem die jüngsten Berichte des im Oktober mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Weltklimarates (IPCC, Intergovernmental Panel on Climate Change). Nach den Ergebnissen des unabhängigen Forschergremiums, die gerade in Valencia noch einmal komprimiert dargestellt wurden, ist nicht mehr daran zu zweifeln, dass es einen vom Menschen gemachten Klimawandel gibt, der auch noch schneller voranschreitet als bislang angenommen. Ohne einschneidendes politisches Handeln sei mit weiter steigender Erderwärmung und verheerenden weltweiten Folgen für das Leben und Überleben sowie die Ökosysteme zu rechnen.
Nach Vorverhandlungen der Regierungsvertreter werden in Bali drei Tage vor dem geplanten Ende die entscheidenden Verhandlungsrunden auf Ministerebene gestartet. Dazu werden rund 130 Umweltminister, darunter aus Deutschland Sigmar Gabriel (SPD), erwartet. Eingeleitet wird dieses Finale mit einer Rede von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Er dürfte erneut einen Appell an die Regierungen richten, ein neues Klimaschutz-Abkommen auf den Weg zu bringen und politisch auf die Berichte der Wissenschaftler zu reagieren.
Die Regierungen müssten sich in Bali auf die Bausteine eines Abkommens verständigen und «die zentralen Elemente des Kyoto- Protokolls fortführen und erweitern», sagte der Chef des UN- Klimasekretariats in Bonn, Yvo de Boer. Die Konferenz müsse zu einem «Durchbruch» führen mit einem «konkreten Fahrplan» für den weiteren Verhandlungsprozess, forderte de Boer. «Wenn das nicht erreicht wird, ist Bali ein Fehlschlag.»
Wissenschaftler und Umweltverbände fordern höhere Minderungsziele für Treibhausgase aus Industrieländern, um den Anstieg der Erderwärmung wenigstens möglichst stark zu begrenzen. Im Kyoto- Protokoll ist im Schnitt eine Reduktion von fünf Prozent (bis 2012 im Vergleich zu 1990) gefordert. Nach aktuellen Daten und Hochrechnungen des UN-Klimasekretariats werden die Industrieländer, die sich dem Protokoll verpflichtet haben, dieses Ziel in der Gesamtheit auch klar mit einem Minus von elf Prozent erreichen. (Von Edgar Bauer, dpa)

