Klima-Skeptiker formieren sich
05.09.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Doch trotz der Klarheit des IPCC-Reports hat sich inzwischen eine Gegenbewegung aus Skeptikern und Leugnern des vom Menschen gemachten Klimawandels formiert. Dabei handelt es sich um eine bunte Truppe aus bloggenden Amateur-Klimatologen und Lobbyisten von Öl- und Energieunternehmen, aber auch Journalisten und Wissenschaftlern.
Ähnliche Aussagen enthielt der ebenfalls mit «Der Klimaschwindel» betitelte Film, den RTL im Juni in einer überarbeiteten Fassung ausstrahlte. Für Stefan Rahmstorf, Wissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, wäre ein Freispruch des CO2 jedoch «offensichtlich schwachsinnig»: «Der größte Teil der globalen Erwärmung - 0,5 Grad Celsius - hat seit 1980 stattgefunden, während die Sonnenaktivität abgenommen hat», sagt der Mitverfasser des UN-Klimaberichts. Diese entscheidenden Messdaten seien den Zuschauern des «Klimaschwindel»-Films jedoch verschwiegen worden, weil sie nicht zur Verschwörungstheorie passten.
Auch auf zahlreichen Internetseiten wird unter umgekehrten Vorzeichen über die globale Erwärmung diskutiert: «Diese Seite unternimmt den Versuch, Sie über einen der am weitesten verbreiteten Irrtümer aufzuklären - nämlich über das Märchen vom menschengemachten Treibhauseffekt», heißt es etwa auf der deutschen Seite klimaskeptiker.info. Kohlendioxid sei «nicht im geringsten klimawirksam», schreibt dessen Betreiber Andreas Kreuzmann, der sich geradezu von kämpferischen Klimaschützern umzingelt sieht.
«Der weltweiten Verbreitung der Klimareligion ist mit allen legalen Mitteln entgegenzutreten, um die egoistische Bereicherung von Klimaforschern, Medien, Industrie und Politik zu beenden», schreibt Kreuzmann. Auch Buchautor Blüchel fühlt sich von korrupten Klimaforschern herausgefordert. Bei der Gründung des Weltklimarates 1988 sei es noch schwierig gewesen, genügend engagierte Experten zu rekrutieren, die bereit gewesen seien, den Klimakreuzzug zu führen, berichtet er.«Aber wo Geld und Ansehen winken, finden sich schließlich immer Mitstreiter.»
Anerkannte Klimatologen wie der Frankfurter Professor Christian-Dietrich Schönwiese sehen Autoren wie Blüchel oder Durkin jedoch auf verlorenem Posten: «Die Leugner des menschgemachten Klimawandels haben in der wissenschaftlichen Diskussion noch nie eine Rolle gespielt und spielen auch weiterhin keine Rolle. Man sieht sie daher auch nicht bei wissenschaftlichen Tagungen und sie haben keine Chance, ihre Ideen in Fachzeitschriften zu veröffentlichen», sagte Schönwiese der Nachrichtenagentur AP.
Hinter den diversen Versuchen, den menschengemachten Klimawandel in Zweifel zu ziehen, sieht Schönwiese verschiedene Motivationen: «Einige sehen durch die geforderten Klimaschutzmaßnahmen die Wirtschaft gefährdet, andere fürchten um ihren Lebensstandard, wieder andere möchten eines unserer Weltprobleme gerne loswerden.» Zudem gebe es die Gruppe der Interessenträger. «Und nicht wenige wollen sich einfach wichtig machen.» (Matthias Armborst, AP)

