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Klima-Skeptiker formieren sich

05. Sep 2007 15:49
Streit um CO2-Einfluss auf Klimawandel: Skeptiker formieren sich
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Immer mehr Amateur-Klimatologen, Wissenschaftler und einige Publizisten leugnen, dass CO2 am Klimawandel schuld ist. Sie sehen hinter der derzeitigen Klima-Debatte eine Religion.

«Endlich haben die Klimawandel-Zweifler keine wissenschaftlichen Argumente mehr», sagte Jochem Marotzke, deutscher Mitautor des UN-Klimareports, erst Anfang Mai voller Erleichterung. Kurz zuvor hatten die 2500 Mitglieder des Weltklimarates IPCC festgestellt, dass die globale Erwärmung «nicht mehr zu bestreiten» und «mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit» vom Menschen verursacht sei.

Doch trotz der Klarheit des IPCC-Reports hat sich inzwischen eine Gegenbewegung aus Skeptikern und Leugnern des vom Menschen gemachten Klimawandels formiert. Dabei handelt es sich um eine bunte Truppe aus bloggenden Amateur-Klimatologen und Lobbyisten von Öl- und Energieunternehmen, aber auch Journalisten und Wissenschaftlern.

Schwankungen der Erdbahn

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Jüngstes Beispiel ist der Wissenschaftspublizist Kurt Blüchel, der dem Weltklimarat Sensationslüsternheit vorwirft und eine Lanze für das Kohlendioxid bricht: Keinesfalls sei CO2 der Klimakiller Nummer eins, als der es nun geschmäht werde. «Eine Mitwirkung von Kohlendioxid (am Klimawandel) ist nicht nachweisbar», schreibt Blüchel in seinem Buch: «Der Klimaschwindel. Erderwärmung, Treibhauseffekt, Klimawandel - die Fakten», das soeben im C.-Bertelsmann-Verlag erschienen ist. Stattdessen seien die vielen Eis- und Warmzeiten der Erdgeschichte vermutlich von Schwankungen der Erdbahn und der Sonnenaktivität ausgelöst worden.

Ähnliche Aussagen enthielt der ebenfalls mit «Der Klimaschwindel» betitelte Film, den RTL im Juni in einer überarbeiteten Fassung ausstrahlte. Für Stefan Rahmstorf, Wissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, wäre ein Freispruch des CO2 jedoch «offensichtlich schwachsinnig»: «Der größte Teil der globalen Erwärmung - 0,5 Grad Celsius - hat seit 1980 stattgefunden, während die Sonnenaktivität abgenommen hat», sagt der Mitverfasser des UN-Klimaberichts. Diese entscheidenden Messdaten seien den Zuschauern des «Klimaschwindel»-Films jedoch verschwiegen worden, weil sie nicht zur Verschwörungstheorie passten.

Weltweite Verbreitung der Klimareligion

Weiter behauptet Filmemacher Martin Durkin, es seien in Wirklichkeit die gestiegenen Erdtemperaturen, die das auf unserem Planeten gebundene Kohlendioxid freisetzten und damit für die erhöhte CO2-Konzentration in der Atmosphäre hauptverantwortlich seien - eine glatte Umkehrung des wichtigsten IPCC-Befunds, der den Klimagasen die Hauptschuld an der Erwärmung gibt.

Auch auf zahlreichen Internetseiten wird unter umgekehrten Vorzeichen über die globale Erwärmung diskutiert: «Diese Seite unternimmt den Versuch, Sie über einen der am weitesten verbreiteten Irrtümer aufzuklären - nämlich über das Märchen vom menschengemachten Treibhauseffekt», heißt es etwa auf der deutschen Seite klimaskeptiker.info. Kohlendioxid sei «nicht im geringsten klimawirksam», schreibt dessen Betreiber Andreas Kreuzmann, der sich geradezu von kämpferischen Klimaschützern umzingelt sieht.

«Der weltweiten Verbreitung der Klimareligion ist mit allen legalen Mitteln entgegenzutreten, um die egoistische Bereicherung von Klimaforschern, Medien, Industrie und Politik zu beenden», schreibt Kreuzmann. Auch Buchautor Blüchel fühlt sich von korrupten Klimaforschern herausgefordert. Bei der Gründung des Weltklimarates 1988 sei es noch schwierig gewesen, genügend engagierte Experten zu rekrutieren, die bereit gewesen seien, den Klimakreuzzug zu führen, berichtet er.«Aber wo Geld und Ansehen winken, finden sich schließlich immer Mitstreiter.»

Die Leugnungs-Maschine

Ein Satz, der nach Darstellung des US-Magazins «Newsweek» besser auf die sich formierende Gegenbewegung passt: «Die Leugnungs-Maschine läuft auf Hochtouren», stellte die Zeitschrift kürzlich fest. So habe ein konservativer, lange vom Ölkonzern ExxonMobil geförderter Think Tank Wissenschaftlern 10.000 Dollar für Artikel geboten, die geeignet seien, die jüngsten Weltklima-Berichte zu untergraben.

Anerkannte Klimatologen wie der Frankfurter Professor Christian-Dietrich Schönwiese sehen Autoren wie Blüchel oder Durkin jedoch auf verlorenem Posten: «Die Leugner des menschgemachten Klimawandels haben in der wissenschaftlichen Diskussion noch nie eine Rolle gespielt und spielen auch weiterhin keine Rolle. Man sieht sie daher auch nicht bei wissenschaftlichen Tagungen und sie haben keine Chance, ihre Ideen in Fachzeitschriften zu veröffentlichen», sagte Schönwiese der Nachrichtenagentur AP.

Außenseiter und Wichtigmacher

Die Außenseiterposition der Skeptiker und Leugner sei wissenschaftlich ganz einfach nicht haltbar: «Wenn wir die Zusammensetzung der Erdatmosphäre durch die Anreicherung von Treibhausgasen ändern, muss das aus prinzipiellen physikalischen Gründen zu Klimaänderungen führen. Das ist eine völlig unbezweifelbare Grundtatsache und dementsprechend in jedem dafür relevanten Lehrbuch zu finden.»

Hinter den diversen Versuchen, den menschengemachten Klimawandel in Zweifel zu ziehen, sieht Schönwiese verschiedene Motivationen: «Einige sehen durch die geforderten Klimaschutzmaßnahmen die Wirtschaft gefährdet, andere fürchten um ihren Lebensstandard, wieder andere möchten eines unserer Weltprobleme gerne loswerden.» Zudem gebe es die Gruppe der Interessenträger. «Und nicht wenige wollen sich einfach wichtig machen.» (Matthias Armborst, AP)

 
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