netzeitung.deDeutsches Klimaziel ohne Atomkraft erreichbar

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Atomkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Atomkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Eine drastische Minderung der deutschen Treibhausgase bis 2020, wie von der Bundesregierung geplant, ist möglich - auch ohne Nutzung der Kernenergie. Doch das kostet.

Die ehrgeizigen Klimaziele der Bundesregierung sind nach einer neuen Studie auch ohne Atomkraft erreichbar - allerdings zu einem höheren Preis für Wirtschaft und Verbraucher. So käme eine Minderung der deutschen Treibhausgase um 40 Prozent bis 2020 mittels verstärktem Ausbau der erneuerbaren Energien um rund 4,5 Milliarden Euro teurer als mit unbefristeter Nutzung der Atomkraft. Dies geht aus einer von der Regierung angeforderten Studie des Prognos-Instituts und des Energiewirtschaftlichen Instituts der Uni Köln hervor, die am Montag in Berlin bekannt wurde.

Die Regierung ließ demnach mit Blick auf den Energiegipfel im Juli drei Szenarien rechnen: die schlichte Umsetzung der Vereinbarungen im Koalitionsvertrag - also Beibehaltung des Atomausstiegs; ein forcierter Ausbau der erneuerbaren Energien; und drittens die Abkehr vom Atomausstieg mit Laufzeiten von bis zu 60 Jahren für die verbliebenen 17 deutschen Meiler.

Heraus kam, dass die Umsetzung des Koalitionsvertrags allein schon bis zu 39,1 Prozent Minderung beim Kohlendioxid bis 2020 im Vergleich zu 1990 bringen könnte. In dem Szenario würde der Anteil von Ökostrom und -wärme am Primärenergieverbrauch 13,4 Prozent erreichen. Der Strompreis für Privathaushalte würde von heute 19,5 auf 19,6 Cent je Kilowattstunde im Jahr 2020 wachsen.

Im zweiten Szenario würde der Ausbau von erneuerbaren Energien noch stärker forciert als bislang vorgesehen: auf 16,8 Prozent Anteil am Primärenergieverbrauch im Jahr 2020. Der Strompreis würde dann bei 20,5 Cent je Kilowattstunde liegen. Der Mehrpreis für die Volkswirtschaft summiert sich gegenüber dem «Koalitions-Vertrags-Szenario» auf 4,6 Milliarden Euro. Dafür würde das selbst gesetzte deutsche 40-Prozent-Ziel übererfüllt: 41,3 Prozent Minderung würden erreicht.

Im «Atomszenario» kämen sogar 45,3 Prozent Minderung zu Stande. Der Strompreis läge bei nur 18,4 Cent im Jahr 2020. Die Mehrkosten würden sich gegenüber der einfachen Umsetzung des Koalitionsvertrags auf 100 Millionen Euro belaufen.

Alle drei Szenarien gehen von einer deutlichen Steigerung der Energieeffizienz aus. Beim «Atomszenario» fiele diese aber mit 13,4 Prozent wegen geringeren Spardrucks deutlich kleiner aus als beim «Koalitions-Vertrags-Szenario» (17 Prozent).

Das Umweltministerium sieht die Studienergebnisse positiv. Nun sei belegt, dass das 40-Prozent-Ziel auch ohne Atomkraft erreichbar sei, hieß es in Ministeriumskreisen. Das Szenario zum verstärkten Ausbau der Erneuerbaren sei unter dem Gesichtspunkt der neuen EU-Ausbauziele realistisch, denn Brüssel erwarte von Deutschland etwa 16 bis 18 Prozent Anteil am Primärenergiebedarf. Den Strompreisvorteil beim Atomszenario erachtet das Ministerium als minimal. Ein Unterschied von einem Cent je Kilowattstunde sei ein guter Preis dafür, das inhärente Unfall- und Terrorrisiko zu beseitigen. (AP)