04.05.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Wasser auf dem Rückzug: Die Elbe bei Dresden
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ein UN-Experte macht Hoffnung: Die weltweite Klimakatastrophe kann noch verhindert werden - und die Kosten sind gar nicht einmal so hoch. Die Entwicklungsländer blockieren aber.
Seit Februar steht fest: Der Klimawandel ist menschengemacht. Im April hatte der UN-Weltklimarat IPCC in einem zweiten Bericht beschrieben, wie sich die globale Erwärmung auswirkt, nämlich weniger verheerend wie bisher vorausgesagt. Nachdem nun der dritte Teil vorliegt, warnt auch der Direktor des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner, vor Fatalismus. «Im Jahr 2007 werden uns nicht nur die Konsequenzen in drastischer Weise vor Augen geführt, sondern die Lösungen bekommen eine klarere Kontur», sagte Steiner im Gespräch mit Nachrichtenagentur dpa. Auch Umwelt-Staatssekretär Michael Müller betonte: «Das wichtigste Ergebnis ist: Es gibt Möglichkeiten, den Klimawandel zu verhindern.»
Nachdem der Weltklimarat zunächst Ursachen und Wirkungen des Klimawandels beschrieben hat, setzt sich der am Freitag vorgelegte dritten IPCC-Bericht mit der Machbarkeit möglicher Gegenmaßnahmen auseinander. Für Steiner ist das «Grund für Mut und Optimismus».
Am jüngsten Weltklimabericht hatten hunderte Wissenschaftler aus aller Welt mehrere Jahre lang gearbeitet. Bis in die Nacht feilten die Experten aus aller Welt in Bangkok an den Formulierungen, von denen die künftige Klimapolitik abhängt. Teile I und II hatte der UN-Klimarat im Februar und im April veröffentlicht. Sie hatten Zweifel am menschengemachten Klimawandel weitgehend ausgeräumt und vor gravierenden Folgen gewarnt.
In einem Punkt verschärften die Wissenschaftler jedoch die Prognose: Der Menschheit bleiben nur noch acht Jahre, um eine Klimakatastrophe abzuwenden. Spätestens von 2015 an muss der weltweite Treibhausgasausstoß sinken, wenn die schlimmsten Folgen der Erderwärmung verhindert werden sollen. Bis Mitte des Jahrhunderts müssen sie um 50 bis 85 Prozent sinken - verglichen mit den Werten vom Jahr 2000. «Wir haben nicht mehr viel Zeit zum Handeln, die Reduktionsziele für den Treibhausgasausstoß müssen ehrgeiziger sein», mahnte einer der Mitherausgeber des Reports, Olav Hohmeyer von der Universität Flensburg. «Wir müssen handeln und dürfen keine zehn Jahre mehr warten.»
China will mehrDie Kosten für eine Eindämmung des Klimawandels halten sich derzeit noch in Grenzen. Wenn der globale Temperaturanstieg im beherrschbaren Bereich von 2,0 bis 2,4 Grad Celsius bleiben soll, koste dies im Jahr weniger als 0,12 Prozentpunkte des weltweiten Wirtschaftswachstums, heißt es in Hohmeyers Bericht. Die Autoren des Reports halten es sogar für möglich, dass der Einsatz klimaschützender Technologien das Wachstum leicht beschleunigt. «Wir haben alle Technologien, die wir dafür brauchen, das Problem nachhaltig anzufassen», betonte Hohmeyer. «Die Handlungsmöglichkeiten sind ökonomisch preiswert.»
Die Delegierten hatten sich zuletzt vor allem über die Grenzwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen gestritten. Wie Beobachter berichteten, strebte China mit Blick auf sein enormes Wirtschaftswachstum einen höheren Wert an. Das nutzten auch andere Länder, sich gegen niedrige Grenzwerte zu sperren. Auch den USA gingen die Grenzwerte zu weit. Der Entwurf des Weltklimaberichts sieht Grenzwerte zwischen 445 und 650 ppm vor, also Einheiten Treibhausgas pro eine Million Einheiten Luft.
Mensch ist verantwortlichChina, das noch in diesem Jahr die USA als größter Emittent von Treibhausgasen überholen dürfte, wollte außerdem die Verantwortung der entwickelten Industrieländer für die globale Erwärmung deutlicher herausstellen. «Sie wollen nicht für die Konsequenzen in Zukunft verantwortlich gemacht werden», bewertete dies der Delegierte Edward Mulbah aus Liberia. Indien wehrte sich nach Angaben von Gewährsleuten gegen eine Formulierung, wonach in Entwicklungsländern deutliche Reduzierungen beim Ausstoß von Treibhausgasen möglich sind.
Auch an dem im April in Brüssel vorgestellten zweiten Bericht hatten die Delegierten bis zur letzten Minute gefeilt. Er zeichnete ein dramatisches Bild von den Folgen des Klimawandels, vor allem die ärmsten Länder sind demnach von Hunger, Wassermangel, Stürmen und Überschwemmungen betroffen. Bis zu 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten dürften aussterben, wenn die Temperatur um zwei Grad Celsius steigt. Der Anfang Februar in Paris vorgestellte erste Teil des IPCC-Berichts stellte die Verantwortung des Menschen für die Erderwärmung so deutlich heraus wie keine Studie zuvor.
Nach der Veröffentlichung des dritten Teils will der Weltklimarat im November im spanischen Valencia das Gesamtdokument verabschieden. Der insgesamt vierte IPCC-Bericht wird Grundlage für die Verhandlungen über das Vorgehen nach dem 2012 auslaufenden Kyoto-Protokoll sein. (nz/dpa/AP)