Klimawandel verändert den Lebensraum Nordsee
03.05.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Die steigenden Temperaturen des Meeres wirken sich nach Angaben von Experten auf Flora und Fauna aus. Die Artenvielfalt hat sich insgesamt erhöht, wie Awi-Meeresforscher Friedrich Buchholz betont. Seit Jahren beobachte man bereits deutliche Veränderungen im Spektrum der Meeresbewohner. So werde die Streifenbarbe, ein typischer Mittelmeerfisch, seit einiger Zeit häufiger in der Nordsee gesichtet. Auch Sardinen, Sardellen, Wolfsbarsche und die Pazifische Auster würden inzwischen regelmäßig beobachtet, berichtet Buchholz.
Allerdings dürften Arten, die seit einigen Jahrhunderten in der Nordsee zu finden sind, künftig geringere Chancen haben. «Es gibt Gewinner und Verlierer im Nahrungsnetz», sagt Buchholz. Der Dorsch beispielsweise wandere aus seinem gewohnten Lebensraum in kühlere Gefilde in den nördlichen Bereich ab: «Insgesamt ist eine Verschiebung des Artenspektrums Richtung Norden zu beobachten», sagt Buchholz.
Andere Forscher halten es für möglich, dass die exotische pazifische Auster die heimische Miesmuschel als vorherrschenden Organismus ablöst. Experten befürchten zudem, dass die höheren Temperaturen verstärkt fremde Algen und Quallen mit sich bringen. Das darf man sicher nicht unterschätzen, sagt Buchholz. Auch das Wachstum von gefährlichen Blaualgen werde gefördert. Dies sei allerdings eher ein Problem an der Küste der Ostsee.
Allerdings gibt es zumindest kurzfristig nicht nur Verlierer. Von den steigenden Temperaturen und prallem Sonnenschein könnten die Urlauberregionen an den Küsten profitieren. Schon jetzt haben die Tourismusverbände im Norden den Eindruck, dass sich das bessere Wetter der vergangenen Jahre positiv auf die Besucherzahlen ausgewirkt hat. «Wir sehen ganz klar, dass mehr Gäste kommen, wenn das Wetter stabiler ist», sagte Carsten Moormann von der Ostfriesland Tourismus GmbH.

