USA und China entschärfen UN-Klimabericht
06. Apr 2007 09:09, ergänzt 17:06
 |  Wirbelsturm in den USA | Foto: dpa |
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Der UN-Klimarat hat im Weltklimabericht Passagen streichen lassen. Die USA und China haben auf die Änderungen gedrängt. Kanzlerin Merkel fordert ein internationales Vorgehen.
Nach erbittertem Ringen um einzelne Formulierungen hat sich der Weltklimarat (IPCC) am Freitag auf einen neuen Bericht geeinigt, der ein dramatisches Bild von den Folgen des Klimawandels zeichnet. Vor allem die ärmsten Länder sind demnach von Hunger, Wassermangel, Stürmen und Überschwemmungen betroffen. Bis zu 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten seien vom Aussterben bedroht, wenn die Temperatur um zwei Grad Celsius steige. Einige Wissenschaftler kritisierten, der Bericht sei durch politische Einflussnahme verwässert worden.
Die Verhandlungen in Brüssel über einzelne Passagen währten bis zur letzten Minute. Vor allem die USA, China und Saudi-Arabien wollten Formulierungen ändern. Strittig waren nach Angaben von Teilnehmern das Ausmaß der erwarteten Ausrottung von Tier- und Pflanzenarten, die Frage, ob eine Schätzung zu den finanziellen Kosten der Klimakatastrophe in den Bericht aufgenommen werden soll sowie Angaben über die Verlässlichkeit der bisherigen Beobachtungen.Der IPCC-Report sei dennoch «ein sehr, sehr deutliches Signal» an die Regierungen, erklärte der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer. Hans Verolme von der Naturschutzorganisation WWF erklärte, auf die wissenschaftlichen Ergebnisse des Berichts müsse eine ähnlich dringende Antwort folgen. «Nichts zu tun ist keine Option», sagte Verolme. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace sprach von der Aussicht auf «eine apokalyptische Zukunft».
Der Delegierte Martin Perry erklärte, erstmals würden die Experten nicht nur «mit Modellen herumfuchteln». Pachauri sagte, die Ärmsten der Armen würden von den Folgen der globalen Erwärmung am schlimmsten getroffen. «Arme können sich dem Klimawandel am wenigsten anpassen.»
Schlimmste Auswirkungen in Afrika
Am schlimmsten sind die Auswirkungen dem Bericht zufolge für Afrika, wo bis 2020 vermutlich bis zu 250 Millionen Menschen unter Wassermangel zu leiden haben. In einigen Ländern werden die Ernten um die Hälfte zurückgehen. In Nordamerika drohen zufolge vermehrt tödliche Wirbelstürme, Überschwemmungen, Hitzwellen und Buschbrände mit enormen wirtschaftlichen Folgen. Asien ist ebenfalls von heftigen Überflutungen durch Gletscherschmelze bedroht. Bei einem Temperaturanstieg von vier Grad Celsius drohen dem IPCC zufolge durchschnittlich wirtschaftliche Verluste von bis zu fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts.Ohne Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen werde es deutlich weniger Regionen geben, die für den Menschen bewohnbar seien, warnte einer der Autoren, Stephen Schneider von der Stanford-Universität. Mit einem vergleichsweise geringen Betrag könne das Problem des Klimawandels noch aufgehalten werden: «Es geht um Milliarden Dollar, aber das ist eine sehr triviale Sache.»
Der Mensch ist schuld
Der Anfang Februar in Paris vorgestellte erste Teil des IPCC-Berichts stellte die Verantwortung des Menschen für die Erderwärmung so deutlich heraus wie kein Report zuvor: Als sehr wahrscheinliche Ursache des Temperaturanstiegs wird der von Menschen verursachte Ausstoß von Treibhausgasen genannt.Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte als Reaktion ein internationales Vorgehen für den Umweltschutz. «Der Bericht bestätigt, dass der Klimawandel eine Tatsache ist», sagte sie der «Süddeutschen Zeitung». Notwendig sei «ein schnelles und entschiedenes Handeln, um den Temperaturanstieg weltweit zu begrenzen und den Kohlendioxid-Ausstoß zu verringen».
Umweltminister Sigmar Gabriel sprach sich für eine ehrgeizige Klimapolitik aus. EU-Umweltkommissar Stavros Dimas sagte, die IPCC-Ergebnisse verstärkten die Entschlossenheit der Europäischen Union, die Emission von Treibhausgasen zu verringern. (Arthur Max/ AP)