netzeitung.deArktisches Meereis verändert europäisches Klima

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Meeresoberfläche, die zu mehr als 15 Prozent von Eis bedeckt istr, wurde in dieser Studie als Eisdecke gewertet. (Foto: Nasa-JSC-ES&IA<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Meeresoberfläche, die zu mehr als 15 Prozent von Eis bedeckt istr, wurde in dieser Studie als Eisdecke gewertet.
Foto: Nasa-JSC-ES&IA
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Forscher rechnen noch in diesem Jahrhundert mit einem im Sommer eisfreien Nordpolarmeer. Der entscheidende Anstoß könnte dem Klimasystem schon gegeben worden sein.

Der Schwund des arktischen Meereises hat möglicherweise einen Kipppunkt erreicht, ab dem sich die Entwicklung zu einem im Sommer eisfreien Meer beschleunigen könnte. Dies wird das Klima der gemäßigten Breiten rund um die Nordhalbkugel verändern, prognostizieren US-amerikanische Forscher.

«Unterm Strich kann man festhalten, dass das arktische Meereis das globale Klima beeinflusst», sagt Mark Serreze von der University of Colorado. Serreze hat mit Kollegen Studien zur Ausdehnung des Eises ausgewertet. Seit 1979 sei die monatlich gemessene Eisfläche rückläufig, berichten die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Science».

Besonders stark ist der Rückgang im jährlichen Minimum im September: Jedes Jahr bedeckte das Eis knapp 100.000 Quadratkilometer weniger als im Vorjahr. Als Eisdecke gilt hierbei Meeresoberfläche, die zu mindestens 15 Prozent mit Eis bedeckt ist. Aber auch der jährliche Zuwachs in den Wintermonaten falle geringer aus, sagen die Wissenschaftler.

Ende der 1980er Jahre hätten veränderte Luftströmungen mehr dickes Eis in den Nordatlantik treiben lassen, wo es schmolz. Seit Mitte der 1990er Jahre ist zudem mehr vergleichsweise warmes Wasser aus dem Nordatlantik in den arktischen Ozean geströmt, was die Eisbildung hemmte. «Das sind Beispiele für Anstöße, die das arktische Klimasystem schnell in einen neuen Zustand übergehen lassen könnten», sagt Serreze.

Die Eisverwehungen in den 1980er Jahren könnten bereits der entscheidende Anstoß gewesen sein. «Im Moment können wir das nicht ausschließen», sagt Serreze.

Wie lange der Übergang zu einem im Sommer eisfreien Nordpolarmeer noch dauere, sei noch ungewiss, schreiben die Wissenschaftler. Dass er stattfinde, werde angesichts der zunehmenden Übereinstimmung zwischen den Modellen und den Beobachtungen immer wahrscheinlicher.

Auch die Auswirkungen auf das Klima der gemäßigten Breiten seien noch nicht genau abzusehen. Andere Forschergruppen gingen davon aus, dass Luftströmungen verändert werden. Dadurch würden Niederschläge in West- und Südeuropa zunehmen und in den westlichen USA abnehmen. In der arktischen Region wird stärke Küstenerosion erwartet. «Die Auswirkungen werden nicht auf den arktischen Raum begrenzt sein», sagt Serreze.


Für das Web ediert von Patrick Eickemeier