16.03.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Genug Wasser für einen Meeresspiegelanstieg um neun Meter: der Totten-Gletscher in der Ostantarktis
Foto: Esa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Eisverluste in Grönland und der Antarktis werden zum Teil durch vermehrten Schneefall ausgeglichen. Doch künftig könnten Gletscher den Meeresspiegel stärker ansteigen lassen.
Das Abschmelzen und Abfließen von grönländischem und antarktischem Eis lässt den Meeresspiegel um etwa 0,35 Millimeter pro Jahr ansteigen. Das ergab die erneute Auswertung von Satellitendaten aus den vergangenen 15 Jahren. Die Erwärmung des Südpolarmeeres könnte das Wasser im kommenden Jahrhundert schneller steigen lassen, warnen nun britische Forscher.
Andrew Shepherd von der
University of Edinburgh und Duncan Wingham vom Londoner
University College haben die teils widersprüchlichen Studien der polaren Eismassen erneut ausgewertet. Wie sie nun in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Science» berichten, verhalten sich die grönländischen Gletscher, die ins Meer fließen, unterschiedlich. Inwieweit sie zum zukünftigen Meeresspiegelanstieg beitragen, sei daher schwer abzuschätzen.
In der Antarktis ergibt sich jedoch ein einheitlicheres Bild: Vier Gletscher im Osten und im Westen des Kontinents schrumpfen. Die betroffenen Eiszungen, der Pine-Island-, der Thwaites-, der Totten- und der Cook-Gletscher, fließen direkt ins Meer und liegen in tiefen unterseeischen Bassins. «Sie sind anfällig für geringe Veränderungen der Ozeantemperatur», sagt Shepherd. Eine Erwärmung um weniger als 0,5 Grad Celsius könne für den derzeitigen Eisverlust verantwortlich sein.
Shepherds und Winghams Analyse ergab, dass der westantarktische Eisschild pro Jahr etwa um 50 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) schrumpft. Der ostantarktische Eisschild wächst dagegen durch vermehrten Schneefall um etwa 25 Gigatonnen pro Jahr. Mit dem jährlichen Eisverlust in Grönland von etwa 100 Gigatonnen ergibt sich eine globale Verlustrate von 125 Gigatonnen pro Jahr. Diese Menge macht etwa 12 Prozent des Meeresspiegelanstiegs aus. Bei der erwarteten weiteren Erwärmung könnte der Beitrag jedoch deutlich zunehmen, sagen die Wissenschaftler.
Sie fordern, die Eisströme und ihre Wechselwirkungen mit dem Meer genauer zu untersuchen. Klimamodelle könnten bessere Prognosen liefern, wenn mehr über das Verhalten der Gletscher bekannt wäre.