Weinanbau wandert nach Skandinavien
27. Feb 2007 15:41
 |  Weinanbau | Foto: dpa |
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Der italienische Weinanbau ist laut einer Studie wegen steigender Temperaturen und wachsender Niederschläge bedroht. Als Alternative kommt möglicherweise Skandinavien in Frage.
Die globale Erwärmung bedroht die berühmten italienischen Weinanbaugebiete. Wissenschaftler der Universität Florenz kamen in einer Studie zu dem Schluss, dass der zu erwartende Temperaturanstieg in Kombination mit vermehrten Regenfällen wahrscheinlich die Qualität der Weine in der Toskana gefährdet.Neue Konkurrenz könnte aus Skandinavien kommen, sollte dort bis zum Ende des Jahrhunderts ein deutlich milderes Klima Einzug halten. «Der Temperaturanstieg wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen und er wird zu hoch und zu ungünstig für die Qualität der Weine sein», sagte der Agrarwissenschaftler Simone Orlandini von der Universität Florenz.
Selbst wenn die Temperaturen nur um drei oder vier Grad Celsius anstiegen, wäre das ein Problem für die Weinbauern. Die Erde sei einfach nicht in der Lage, all die Wassermassen zu absorbieren. In der Studie, die im Weinmagazin «VQ» veröffentlicht wurde, wird die Qualität berühmter Weine in Beziehung zu den Wetterbedingungen der vergangenen Jahrzehnte gesetzt. Unter den untersuchten Weinen waren berühmte Tropfen wie der Brunello di Montalcino, Chianti Classico, Barolo und Barbaresco. Die Forscher fanden heraus, dass wärmere Bedingungen der Qualität der Weine zwar zugute kamen, der Regen jedoch häufig nichts Gutes bedeutete. Der Weltklimarat (IPCC) hatte im vergangenen Monat einen deutlichen Temperaturanstieg bis 6,4 Grad sowie einen Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 59 Zentimeter für das Jahr 2100 vorhergesagt. Mit ihrer Einschätzung, der vom Menschen verursachte Treibhauseffekt werde sich auch nicht durch einen sofortigen Emissionsstopp von CO2 aufhalten lassen, lösten die UN-Forscher weltweit große Sorge sowie Forderungen nach einem Eingreifen der Politik aus.
Weinbauern wiegeln ab
Die Weinbauern in der Toskana machen sich jedoch noch keine größeren Sorgen. «Ich rechne nicht mit nachteiligen Auswirkungen innerhalb der nächsten 20 Jahre», erklärte Filippo Mazzei, der mit seiner Firma nördlich von Siena pro Jahr 700.000 Flaschen produziert. «Wir leben in einer Region mit einem gemäßigten Klima und ich glaube nicht, dass sie unmittelbar bedroht ist.» Er wolle damit nicht sagen, dass alle Sorgen unbegründet seien, aber Veränderungen über einen Verlauf von 100 Jahren hätten keine große Bedeutung.Der Agrarwissenschaftler Orlandini erklärte, mit dem Anstieg der Durchschnittstemperaturen werde sich der Weinanbau geographisch nach Norden verschieben. Damit könnten auch Regionen wie Skandinavien in den Markt eintreten. Die Bauernvereinigung Coldiretti forderte Maßnahmen, um den Klimawandel und seine negativen Auswirkungen auf die Landwirtschaft zu stoppen. Sie verwies auf eine deutliche geographische Verschiebung des Olivenanbaus in Italien, der inzwischen fast die Alpen erreicht habe. «Diese Prozesse stellen eine neue Herausforderung für die Agrarwirtschaft dar», hieß es in einer Stellungnahme.
Deutsche Bauern bleiben gelassen
Hier zu Lande herrscht bei den Winzern noch Gelassenheit, obwohl höhere Durchschnittstemperaturen auch in Deutschland schon konkrete Folgen nach sich gezogen haben. «Wir machen uns natürlich auch Gedanken über die Situation», erklärt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Mainz. Der «Jahrhundertsommer» 2003 habe schon einen Vorgeschmack darauf gegeben, welche Folgen die globale Erderwärmung für den deutschen Rebensaft haben könnte: «Da gab es Weine mit einem viel höheren Alkoholgehalt, was sie durchaus gehaltvoller gemacht hat», sagt Büscher. «Gleichzeitig, und das betrifft vor allem die Weißweine, gab es auch viele Sorten, bei denen der Säuregehalt deutlich niedriger war.» Über kurz oder lang wird es seiner Einschätzung nach neue Sorten zu kaufen geben. Unter dem Strich dürften vor allem die als robuster geltenden roten Trauben vom Klimawandel profitieren.
Diese Ausgangslage sei für die Winzer aber nicht existenziell bedrohend, findet Büscher. «Darauf kann man sich einstellen.» Bei der Anlage neuer Weinbaugebiete dürften Winzer künftig aber vor allem auf besonders hohe Lagen achten, die sich nicht so stark aufheizen könnten.
Weinanbau wandert nach Norden
Das ist ein schleichender Prozess, den wir aber im Auge haben», versichert der Fachmann. Dass sich Blütezeitpunkt, Austrieb und Lese immer weiter verschieben, ist nach seiner Einschätzung aber schon längst Realität. Für die fernere Zukunft prophezeit er, dass vor allem solche Rebsorten hier heimisch werden, die bislang nur im Süden Europas zu Hause waren. (AP)