netzeitung.deUno warnt vor Versiegen des Golfstroms

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Meereis in der Arktis verschwindet (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Meereis in der Arktis verschwindet
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Uno fürchtet in ihrem neuen Klimabericht eine rapide Abnahme des warmen Golfstromes. Greenpeace trumpft indes mit einem Masterplan zur Rettung des Klimas auf.

Als Folge des Klimawandels droht der Golfstrom zu versiegen. Das stellt die Uno in ihrem neuen Klimabericht fest, der im Februar verbreitet werden soll.

Wie die «Welt am Sonntag» berichtet, stützt sich die Weltorganisation auf Erkenntnisse von Forschern des Hamburger Max-Planck-Instituts, die einen Rückgang der warmen Strömung um 30 Prozent bis zum Jahr 2100 prognostizieren. Der Golfstrom hat wesentlichen Einfluss auf das Klima in Nordeuropa.

«In der Konsequenz sind für einzelne Staaten massive Erschütterungen denkbar», sagte Jochem Marotzke, Direktor am Hamburger Max-Planck-Institut, der Zeitung. Obwohl zu vermuten wäre, dass es in Nordeuropa durch die reduzierte Kraft des Golfstromes deutlich kälter wird, werde es aber auch hier eher wärmer.

«Zwei widerstreitende Effekte»
Laut Marotzke gibt es «zwei widerstreitende Effekte». In Europa überlagern sich die Abkühlung durch die nachlassende Ozeanzirkulation und die durch den Ausstoß von Treibhausgasen hervorgerufene Erwärmung der Atmosphäre. «Am Ende gewinnt die Erwärmung in einem Verhältnis von drei zu eins.»

Sollte der Golfstrom in dem vorhergesagten Umfang zurückgehen und sollten andere Klimadaten dabei gleich bleiben, würde dies dem Institutsdirektor zufolge eine Abkühlung um durchschnittlich ein Grad bedeuten. Tatsächlich sei in Deutschland aber bis 2100 mit einer durchschnittlichen Erwärmung um drei Grad Celsius zu rechnen.

Meereis in Arktis verschwindet
Der Klimaforscher geht davon aus, dass es im Jahr 2080 im Sommer kein Meereis mehr in der Arktis geben wird. Was dann im Winter vor sich gehe, sei allerdings unklar, da das Versiegen des Golfstroms bislang nicht untersucht worden sei.

Das Umweltministerium reagierte mit Sorge auf die Erkenntnisse. «Das ist ein weiteres, sehr ernst zu nehmendes Symptom des umfassenden Klimawandels», sagte der parlamentarische Staatssekretär Michael Müller der Zeitung. In den Klimaschutz müssten deshalb dringend alle Bereiche der Wirtschaft, der Energieerzeugung und des Energieverbrauchs mit einbezogen werden.

Globaler Masterplan
Die Umweltorganisation Greenpeace und der Dachverband der Europäischen Erneuerbaren Energien-Industrien (Erec) wollen indes mit einem globalen Masterplan den Klimawandel abwenden. Das Weltklima sei noch zu retten, wenn Politik und Wirtschaft sofort handelten, zitierte das Magazin «Der Spiegel» aus der Studie. Das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie elf internationalen Forschungsinstituten erarbeitete Papier soll offiziell am Donnerstag vorgestellt werden.

Durch Energiesparmaßnahmen sowie die verstärkte Nutzung von Wind-, Wasser- und Sonnenkraft könne der Anstieg von Treibhausgasen bis 2050 halbiert werden, heißt es darin. Dadurch bliebe die Erderwärmung unter zwei Grad. «Deutschland als Weltmarktführer bei Wind- und Solartechnik würde besonders profitieren», sagt Sven Teske von Greenpeace. «Die Milliardensubventionen für Kohle und Atomkraft gehören allerdings sofort gestrichen.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor in ihrem wöchentlichen Podcast erklärt, dass Europa Vorreiter beim Klimaschutz werden müsse. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos will die amtierende EU-Ratsvorsitzende kommende Woche die Ziele des deutschen G-8-Vorsitzes erläutern. Der Klimawandel gehört laut Merkel neben Globalisierung, Afrika und dem Schutz geistigen Eigentums zu den Schwerpunkten. (nz)