12.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Eisschollen im Nordpolarmeer
Foto: Awi Archiv
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Im Sommer wird die Eisdecke des Nordpolarmeers dünner und kleiner. Neue Modellberechnungen zeigen, dass sie schon vor Ende dieses Jahrhunderts völlig verschwunden sein könnte.
Die Arktis könnte schon in 35 Jahren während der Sommermonate eisfrei sein, wenn der Mensch weiter so viele Treibhausgase in die Atmosphäre entlässt wie bisher. Das berichten amerikanische Forscher um Marika Holland vom US-amerikanischen
National Center for Atmospheric Research (NCAR). Außerdem werde die arktische Eisdecke auch im Winter dünner.
Computersimulationen von Holland und ihren Kollegen zeigen im Sommer 2040 nur noch kleine Eismengen an den Küsten Grönlands und Kanadas. Das Wintereis würde von momentan dreieinhalb Meter Dicke bis 2040 auf deutlich unter ein Meter schrumpfen.
Die Forscher begründen den schnellen Rückgang des Eises vor allem mit einem sich selbst verstärkenden Effekt: Offene, dunkle Wasserflächen nehmen die Wärme des Sonnenlichts stärker auf als das helle Eis. Dadurch erwärme sich das Meer umso stärker, je mehr Eis bereits geschmolzen sei. Zudem könnte der Klimawandel auch die Strömungen beeinflussen, wodurch wärmeres Wasser in die Arktis gelange, erklären die Klimaforscher.
«Das ist eine positive Rückkopplung mit dramatischen Auswirkungen auf die gesamte Arktisregion», sagt Holland. Eine Reduktion der Treibhausgase durch den Menschen könnte den Wandel noch aufhalten, berichten die Klimaforscher im Journal «Geophysical Research Letters».
Experten des europäischen Klimaprojektes «Damocles» (Developing Arctic Modelling and Observing Capabilities for Longterm Environmental Studies) warnten Anfang Dezember, dass die Erderwärmung nicht nur Eisbären in ihrem Bestand bedrohe. Auch schwere Störungen in der gesamten Nahrungskette seien zu erwarten. «Das hat Auswirkungen für den Fisch, den wir hier letztlich auf den Tisch kriegen», sagte Eberhard Fahrbach vom
Alfred-Wegner-Institut für Polar- und Meeresforschung (Awi).
Mit dem zunehmenden Seeverkehr in den bisher entlegenen Gewässern könnte auch die Ausbeutung von Bodenschätzen und Rohstoffen wie Öl und Gas in der Arktis drastisch zunehmen. (nz)