31. Aug 2006 10:18
Das Forschungsschiff «Gauss» ist von einer Nordseefahrt zurückgekehrt. Mit an Bord: Messdaten, die zeigen, wie sich die globale Erwärmung auf den Lebensraum auswirkt.
Mit 1,7 Grad Celsius über den Durchschnittswerten sei die Nordsee erneut rekordverdächtig warm, sagte der Wissenschaftler vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) am Mittwoch in Hamburg. Er habe eigentlich damit gerechnet, dass die seit 1988 anhaltende intensive Warmphase der Nordsee wieder von einer Kaltphase abgelöst werde. Dies hätte dem normalen Wechsel zwischen Warm- und Kaltperioden etwa alle acht bis zwölf Jahre entsprochen.«Die aktuellen Temperaturmessungen haben aber wieder das Gegenteil bestätigt, nämlich den drittwärmsten Juli seit 1968 sowie eine gespeicherte Wärmeenergie deutlich über dem langjährigen Mittel», sagte der Wissenschaftler anlässlich der Rückkehr des Forschungsschiffes «Gauss» in den Heimathafen. In der Deutschen Bucht und entlang der Küsten lägen die Temperaturen derzeit sogar drei Grad über den für diese Jahreszeit typischen Durchschnittswerten von 17 Grad Celsius.
Mit den veränderten Umweltbedingungen werde sich auch das Artenspektrum bei Tieren und Pflanzen verändern, sagte der Ozeanograph. Jede Art reagiere unterschiedlich auf steigende Temperaturen. Dies habe zur Folge, «dass in der Nordsee häufiger wärmeliebende Arten wie Makrelen angetroffen und andere wie der Kabeljau künftig vertrieben werden». Ein zu frühes Wachstum der Pflanzen im Meer und zu spät einsetzendes Absterben könne zudem erhebliche biologische «Kettenreaktionen» auslösen.