02. Aug 2006 10:39
Die jetzige Warmphase der Nordsee hält länger an als Warmphasen in früheren Zeiten. Forscher vermuten darin eine Folge der globalen Erwärmung.
Es sei ungewöhnlich, dass die aktuelle Warmperiode mit Wassertemperaturen um ein halbes bis ein Grad über dem langfristigen Mittelwert bereits seit 18 Jahren anhalte, sagte der BSH-Sprecher und Ozeanograph Gerd Becker. In den vergangenen 130 Jahren hatten sich Warm- und Kaltwasserphasen etwa alle acht Jahre abgelöst. Die anhaltende warme Phase der Nordsee sei das Ergebnis einer klimatischen Veränderung über dem europäischen Festland. «Wir leben in einer Zeit, die seit 18 Jahren durch warme, kontinentale Sommer und milde, maritime Winter geprägt ist», sagt Becker.Verantwortlich sei eine seit Jahren annähernd stabile Luftdruck-Differenz zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch. Normalerweise wechselt die Druckverteilung ebenfalls etwa alle acht Jahre, aber das ist laut Becker schon lange ausgeblieben.
Die anhaltende Warmphase wirkt sich bereits auf die Lebensgemeinschaft in der Nordsee aus. Immer häufiger seien beispielsweise Fische zu finden, die eigentlich im Mittelmeer heimisch sind. «Der Kabeljau als typischer Nordseefisch wandert dagegen immer weiter nach Norden in kältere Gewässer ab», sagt Becker.
In den kommenden vier Wochen will sich Becker selbst ein Bild vom Zustand der Nordsee verschaffen. Als wissenschaftlicher Leiter verantwortet er eine vierwöchige Expedition mit dem BSH- Forschungsschiff «Gauss». Gemeinsam mit Meeresforschern der Universitäten Hamburg und Hannover will der Ozeanograph die Nordsee-Erwärmung untersuchen.Ob sich dabei weitere Hinweise auf einen Klimawandel ergeben, mochte Becker vor dem Expeditionsstart am Mittwoch nicht sagen: «Meine Schlüsse ziehe ich erst, wenn die Reise zu Ende ist.» Die «Gauss» wird am 30. August in Hamburg zurück erwartet. (nz)