netzeitung.deKlimaforscher: Heiße Sommer werden häufiger

 Herausgeber: netzeitung.de

Nur einige Quellwolken bedecken den Himmel über Deutschland und Dänemark. (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Nur einige Quellwolken bedecken den Himmel über Deutschland und Dänemark.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Sommer 2006 könnte sich zu einem der wärmsten seit Beginn der Messungen entwickeln. Die Netzeitung sprach mit einem Klimaforscher über die globale Erwärmung, Hochdruckwetterlagen und Bürotemperaturen.

Im diesjährigen Sommer gab es bislang etwa gleich viele heiße Tage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius wie bis zum gleichen Zeitpunkt im so genannten Jahrhundertsommer 2003. Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe, Klimatologe am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (Pik), sieht darin eine Folge der globalen Erwärmung.

Der Juni 2006 war in Deutschland «wärmer als normal», teilte der Deutsche Wetterdienst mit. Im Vergleich zu früheren warmen Sommern sind Unterbrechungen der Hitzephasen durch kühle Tage seltener geworden. Die Abfolge von Sommertagen mit Temperaturen über 25 Grad Celsius hat sich nahezu verdreifacht, was viele Menschen die Hitze als Belastung empfinden lässt.

Netzeitung: Wie warm wird es zurzeit in Ihrem Büro?

Gerstengarbe: So warm wie draußen.

Netzeitung: Was tun Sie, um unter diesen Bedingungen arbeiten zu können?

Gerstengarbe: Lüften, mehr kann man nicht tun.

Netzeitung: War es verfrüht, den Sommer 2003 zum «Jahrhundertsommer» zu erklären?

Gerstengarbe: Es ist überhaupt Unsinn, irgendetwas zu einem Jahrhundertereignis zu erklären, besonders in der Wetter- und Klimaforschung. Weil sich das Klima nicht stationär verhält, also immer gleich bleibend ist, ändern sich auch die Randbedingungen. Die Aussage, ob ein Ereignis einmal im Jahrhundert auftritt, wäre nur möglich, wenn das Klima konstant bliebe. Dann könnte man das statistisch sauber ausrechnen. Da das aber nicht der Fall ist, geht es nicht.

Netzeitung: Wie entsteht das lang anhaltende Sommerwetter mit den hohen Temperaturen?

Gerstengarbe: Es hat sich eine sehr stabile Hochdruckwetterlage eingestellt. Wir haben hier am Institut die Großwetterlagen in Europa untersucht. Großwetterlagen sind die Tief- und Hochdruckgebiete mit ihrer Lage über Europa. Da zeigt sich, dass im Sommer die Hochdruckwetterlagen häufiger werden und länger andauern. Wegen der hohen Sonneneinstrahlung sind diese Hochdruckwetterlagen mit hohen Temperaturen verbunden.

Netzeitung: Trägt die globale Erwärmung zur Entstehung solcher Hitzewellen in Mitteleuropa bei?

Gerstengarbe: Ja, das kann man sehen. Die globale Erwärmung verändert die Zirkulation in der Atmosphäre, global und natürlich auch über Europa. Das sehen wir nicht nur im Sommer, sondern noch stärker im Winter. Wir haben ja seit etwa dreißig Jahren deutlich mildere Winter. Im Winter kommen mehr Tiefdruckgebiete mit milder und feuchter Witterung aus dem atlantischen Raum nach Europa. Das ist die eine Wirkung der globalen Erwärmung. Im Sommer sind es die Hochdruckgebiete, die in unserer Region stabiler sind.

Netzeitung: Also ist mit weiteren heißen Sommern zu rechnen?

Gerstengarbe: Ja, mit großer Sicherheit.

Netzeitung: Heiße Sommertage enden oft mit kräftigen Gewittern. Werden schwere Unwetter zunehmen?

Gerstengarbe: Das kann durchaus der Fall sein. Solche Gewitter, wie wir sie jetzt erleben, sind natürlich eine Folge dieser Wetterlage. Es gibt mehr so genannten konvektiven Niederschlag. Warme Luft steigt auf, kühlt sich ab und es bilden sich Gewitterwolken. Je wärmer es ist und je mehr Feuchtigkeit transportiert wird, umso heftiger sind die Gewitter.

Mit Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe sprach Patrick Eickemeier.