Klimaforscher: Heiße Sommer werden häufiger
24.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Netzeitung: Wie warm wird es zurzeit in Ihrem Büro?
Netzeitung: Was tun Sie, um unter diesen Bedingungen arbeiten zu können?
Gerstengarbe: Lüften, mehr kann man nicht tun.
Netzeitung: War es verfrüht, den Sommer 2003 zum «Jahrhundertsommer» zu erklären?
Gerstengarbe: Es ist überhaupt Unsinn, irgendetwas zu einem Jahrhundertereignis zu erklären, besonders in der Wetter- und Klimaforschung. Weil sich das Klima nicht stationär verhält, also immer gleich bleibend ist, ändern sich auch die Randbedingungen. Die Aussage, ob ein Ereignis einmal im Jahrhundert auftritt, wäre nur möglich, wenn das Klima konstant bliebe. Dann könnte man das statistisch sauber ausrechnen. Da das aber nicht der Fall ist, geht es nicht.
Netzeitung: Wie entsteht das lang anhaltende Sommerwetter mit den hohen Temperaturen?
Gerstengarbe: Ja, das kann man sehen. Die globale Erwärmung verändert die Zirkulation in der Atmosphäre, global und natürlich auch über Europa. Das sehen wir nicht nur im Sommer, sondern noch stärker im Winter. Wir haben ja seit etwa dreißig Jahren deutlich mildere Winter. Im Winter kommen mehr Tiefdruckgebiete mit milder und feuchter Witterung aus dem atlantischen Raum nach Europa. Das ist die eine Wirkung der globalen Erwärmung. Im Sommer sind es die Hochdruckgebiete, die in unserer Region stabiler sind.
Netzeitung: Also ist mit weiteren heißen Sommern zu rechnen?
Gerstengarbe: Ja, mit großer Sicherheit.
Gerstengarbe: Das kann durchaus der Fall sein. Solche Gewitter, wie wir sie jetzt erleben, sind natürlich eine Folge dieser Wetterlage. Es gibt mehr so genannten konvektiven Niederschlag. Warme Luft steigt auf, kühlt sich ab und es bilden sich Gewitterwolken. Je wärmer es ist und je mehr Feuchtigkeit transportiert wird, umso heftiger sind die Gewitter.
Mit Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe sprach Patrick Eickemeier.

