netzeitung.deForscher bohren 900.000 Jahre in die Vergangenheit

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Reinigung eines frischen Eisbohrkernes (Foto: Alfred-Wegener-Institut<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Reinigung eines frischen Eisbohrkernes
Foto: Alfred-Wegener-Institut
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Eine Eiskern-Bohrung in der Antarktis wurde erfolgreich beendet. Erste Untersuchungen lassen vermuten, dass sehr altes Eis gewonnen wurde.

Die Eiskern-Tiefbohrung an der Kohnen-Station des Alfred-Wegener-Instituts (Awi) in Dronning Maud Land in der Antarktis wurde mit einer Tiefe von 2774 Metern erfolgreich abgeschlossen. Nun liegen den Forscher Daten aus wahrscheinlich 900.000 Jahren Klimageschichte vor.

Wie das Awi mitteilte, stießen die Forscher in den untersten 200 Metern der Bohrung auf das sehr alte Eis. Anhand dieser Einblicke in die ferne Klimageschichte der Antarktis hoffen die Forscher verstehen zu können, was die Polarregionen für das globale Klimageschehen bedeuten.

Aus den oberen 2400 Metern gewannen die Wissenschaftler Eisbohrkerne, die zeitlich sehr hoch aufgelöste Klimadaten lieferten. Anhand der Eigenschaften des Eises können die Wissenschaftler abschätzen, wie viel Schnee während des letzten Eiszeitzyklus auf die Arktis gefallen ist.

Die Arbeiten erfolgten im Rahmen des Epica–Programms (European Program for Ice Coring in Antarctica). Das Konsortium von Forschergruppen aus zehn europäischen Ländern wird zur Zeit von Heinrich Miller vom Awi geleitet. Die Arbeitsbedingungen für die Menschen und das technische Gerät sind extrem: An der Kohnen-Station herrschen während der Sommermonate Dezember und Januar Temperaturen zwischen minus 35 und minus 20 Grad Celsius vor, zu Beginn der jetzigen Feldsaison im November 2005 wurden Temperaturen unter minus 50 Grad Celsius gemessen.

Bereits im Dezember 2004 wurde die erste Tiefbohrung des Projekts an der Station Dome Concordia auf dem Inlandeisplateau der Ostantarktis in einer Tiefe von 3270 Metern beendet. Die Forscher waren bis in eine Tiefe von fünf Metern oberhalb des Felsuntergrunds vorgedrungen. Nach Auswertung der Bohrkerne von der Kohnen-Station können die Forscher zwei Datensätze vergleichen, was eine deutlich bessere Interpretation der Messwerte ermögliche. (nz)