Entvölkern Treibhausgase das Meer?: 

netzeitung.deTreibhausgase gefährden Meeres-Ökosysteme

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Kaltwasserkorallen wachsen langsamer als ihre tropischen Verwandten. (Foto: Ifremer, Frankreich<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Kaltwasserkorallen wachsen langsamer als ihre tropischen Verwandten.
Foto: Ifremer, Frankreich
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Meerwasser nimmt Kohlendioxid auf und mindert den Treibhauseffekt. Doch das Gas verändert den Lebensraum Ozean.

Durch die Aufnahme von Kohlendioxid wird das Meerwasser zunehmend sauer. Das Treibhausgas reagiert mit Meerwasser zu Säure, die die Kalkschalen vieler Meeresbewohner angreift. Viel früher als bisher angenommen könnten einige der Arten verschwinden.
Seegurken, Korallen und Schnecken
Forscher vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung haben mit Kollegen aus Europa, Japan, Australien und den USA den Kohlenstoffgehalt der Meere gemessen. In der aktuellen Ausgabe des Magazins «Nature» berichten sie über die Folgen der Versauerung. In den Polargebieten könnten nach ihrer Einschätzung bereits in fünfzig bis einhundert Jahren wichtige Meeresorganismen aussterben.

Bedroht sind vor allem Seegurken, Kaltwasserkorallen und im Wasser schwebende Flügelschnecken, sagen die Forscher. Da diese Tiere eine wichtige Nahrungsquelle für andere Tiere von Krebsen über Lachse bis zu Walen darstellen, sind schwerwiegende Auswirkungen auf das gesamte polare Ökosystem zu befürchten, heißt es in einer Mitteilung des Awi.

«Um die Vorhersagen abzusichern, haben wir 13 alternative Berechnungsmodelle mit den Daten gefüttert», erklärt Reiner Schlitzer vom Awi. Die Ergebnisse der unterschiedlichen Modelle unterschieden sich leicht, aber die grundsätzliche Aussage sei immer die gleiche. «Die Meere versauern viel schneller als bisher angenommen», sagt Schlitzer.

Ursachen der Versauerung der Meere sind menschliche Einflüsse, sagen die Forscher. Durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe produziere jeder Mensch täglich im Durchschnitt elf Kilogramm Kohlendioxid, die in die Atmosphäre gelangen. Vier Kilogramm davon würden von den Weltmeeren aufgenommen. «Viele der jetzt lebenden Menschen werden erleben, wie die polaren Meere für einige der heutigen Schlüsselorganismen unbewohnbar werden» sagt der Leiter der Studie, James Orr vom Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement in Frankreich. (nz)