netzeitung.deStudie: Temperaturen könnten um bis zu 11 Grad steigen

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Das globale Klima könnte sich noch dramatischer ändern als bislang schon befürchtet. Die derzeit größte Klimamodell-Studie schließt eine Temperaturerhöhung von über elf Grad Celsius nicht aus.

Der Treibhauseffekt könnte weit schlimmere Folgen haben als bislang befürchtet. Computer-Simulationen im Rahmen eines Internet-Großprojekt sagen eine maximale Temperaturerhöhung von über elf Grad Celsius voraus, berichten britische Forscher im Fachblatt «Nature». Mehr als 90.000 Teilnehmer hatten für das Projekt ihre Rechnerkapazitäten zur Verfügung gestellt. So konnten insgesamt mehr als 2000 Klima-Simulationen durchgerechnet werden.
Heimcomputer im Dienst der Forschung
Die Teilnehmer luden sich die Software für die Computersimulationen aus dem Internet herunter, jeder Computer berechnete dann ein eigenes Modell. Aus den Ergebnissen suchten die Wissenschaftler dann die stabilsten Modelle heraus, die das Klima der Vergangenheit am besten abgebildet hatten.

Die Berechnungen ergaben eine Temperaturerhöhung von 1,9 bis 11,5 Grad Celsius, sollte sich der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre im Vergleich zu dem Wert vorindustrieller Zeiten verdoppeln. Dieser Wert wäre bei einer Kohlendioxid-Konzentration von etwa 550 ppm (parts per million: Kohlendioxid-Moleküle pro Millionen Moleküle in der Atmosphäre) erreicht – ein Anstieg, der nach Expertenschätzungen noch im Verlauf dieses Jahrhunderts denkbar ist.

Mehr Variationen, mehr Extreme
Derzeit liegt der Wert bei etwa 380 ppm, er steigt pro Jahr um mehr als 1ppm.Die Experten des «Intergovernmental Panel on Climate Change» (IPCC) gehen derzeit von einem Temperaturanstieg zwischen 1,4 und 5,8 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 aus. Auch die meisten Simulationen im Rahmen des Internetprojekts errechneten einen Temperaturanstieg von 3,4 Grad, also im mittleren Bereich der IPCC-Vorhersage.

Einige Modelle ermittelten aber extremere Werte. Die größere Spanne gehe darauf zurück, dass viel mehr Variationsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden als in bisherigen Modellen, erläutert der Projektleiter David Stainforth von der University of Oxford dem Onlinedienst von «Nature».

Derzeit kann niemand sicher sagen, wie stark die steigenden Kohlendioxid-Werte das Klima der Zukunft verändern werden. Die derzeitigen Bemühungen, den Anstieg des Kohlendioxids unter einem bestimmten Punkt zu halten, könnten jedenfalls verfehlt sein, sagte der an der Studie mitwirkende Physiker Myles Allen. Die Unsicherheit über die Auswirkungen bedeuteten, dass sich einfach kein Grenzwert festlegen lässt. «Die Gefahrenzone liegt nicht irgendwo in der Zukunft, wir befinden uns mittendrin». (nz)