28. Okt 2004 12:55
Die Sonne war seit über 8000 Jahren nicht mehr so aktiv wie heute. Doch wahrscheinlich wird diese Hochphase nur noch wenige Jahrzehnte andauern.
Forscher um Sami Solanki vom Max-Planck-Institut (MPI) für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau haben die Sonnenaktivität anhand von schweren Kohlenstoff-Atomen zurückverfolgt. Die radioaktiven C-14-Teilchen entstehen, wenn ein energiereiches Teilchen der kosmischen Strahlung in der oberen Atmosphäre der Erde auf ein Luftmolekül trifft. Sie werden als kosmogene Isotope bezeichnet. Wie viel C-14 produziert wird, hängt von der Zahl der Teilchen der kosmischen Strahlung ab. Diese schwankt wiederum mit der Stärke der Sonnenaktivität: Ist die Aktivität hoch, bildet das Magnetfeld der Sonne einen Schutzschild gegen diese Teilchen. Ist die Aktivität gering, erreicht mehr kosmische Strahlung die Erdatmosphäre. Bei geringer Sonnenaktivität wird daher mehr C-14 produziert.
Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Nature» berichten, bestimmten sie die Sonnenaktivität anhand von C-14-Atomen, die in die untere Atmosphäre gelangten und in das Holz von Bäumen eingebaut wurden. Baumstämme können noch nach Jahrtausenden aus dem Untergrund geborgen und das gespeicherte C-14 gemessen werden. Aus den Baumringen kann man dann durch Vergleich verschiedener Bäume, deren Lebenszeit sich überschneidet, das Jahr bestimmen, in dem das C-14 aufgenommen wurde. Auf diese Art haben die Forscher die Produktionsrate von C-14 über 11.400 Jahre zurück verfolgt.
Auch die Helligkeit der Sonne schwankt mit der Sonnenaktivität. Sie scheint demnach heute etwas heller als in den 8000 Jahren zuvor. Inwieweit dies zur globalen Erwärmung im vergangenen Jahrhundert beigetragen hat, ist eine offene Frage. Die Forscher um Solanki weisen jedoch darauf hin, dass die Sonnenaktivität seit etwa 1980 weitgehend konstant sei. Die Temperatur auf der Erde sei dagegen besonders in diesem Zeitraum angestiegen.Dass aber der Verlauf von Erdtemperatur und Sonnenaktivität während der letzten Jahrhunderte davor ähnlich sei, zeige, dass der Zusammenhang weiter erforscht werden müsse. (nz)