16. Jul 2004 10:08
Durch menschliche Aktivität ist die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre angestiegen. Jetzt wurde untersucht, wie die Weltmeere darauf reagieren.
Bei der Verbrennung von Erdöl, Erdgas und Kohle wird Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre angereichert. Das Gas wird in großem Umfang auch bei der Produktion von Zement freigesetzt. Durch den erhöhten CO2-Druck in der Atmosphäre wird mehr von dem Gas im Meerwasser gelöst, wo es Kohlensäure bildet.«Etwa die Hälfte des in den vergangenen 200 Jahren freigesetzten Kohlendioxids findet sich in den oberen zehn Prozent des Ozeans wieder», sagt Christopher Sabine von der National Oceanic & Atmospheric Administration (NOAA) der USA. Das Wasser der Weltmeere habe insgesamt etwa 48 Prozent des ausgestoßenen Treibhausgases aufgenommen.
Das ergab eine globale Untersuchung von Meerwasser während der 1990er Jahre. Etwa 118 Milliarden Tonnen vom Menschen freigesetztes Kohlendioxid speichern der Atlantische, der Pazifische und der Indische Ozean demnach bislang. Das entspreche etwa einem Drittel ihrer Kapazität, berichtet das internationale Forscherteam in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Science».
Die Untersuchung von Bohrkernen polaren Eises hat gezeigt, dass die CO2-Konzentration vor der industriellen Revolution über 400.000 Jahre zwischen 0,2 und 0,28 Promille gelegen habe. Zwischen dem Jahr 1800 und heute ist sie auf etwa 0,38 Promille angestiegen. Nach den Berechnungen der Forscher würde die atmosphärische Konzentration 0,435 Promille betragen, hätten die Weltmeere nicht einen großen Teil des Gases aufgenommen.Die Studie belege, dass die Erdatmosphäre und das Wasser der Weltmeere Hauptspeicher für das so genannte anthropogene Kohlendioxid sind. Das Gas wird demnach nur zu einem geringen Teil von Pflanzen aufgenommen und in organischer Materie gebunden.
Durch die Bildung von Kohlensäure im Meerwasser fällt der pH-Wert des Wassers, es wird sauer, fanden die Forscher. Dadurch werde Kalziumcarbonat im Außenskelett von Meereslebewesen im Oberflächenwasser zum Teil aufgelöst. Betroffen sind Organismen wie Korallen und das Plankton, das die Nahrungsrundlage des Ökosystems der Meere ist. «Nach derzeitigem Wissen verlangsamt die Zunahme der CO2-Konzentration im Meerwasser die Kalkbildung durch Plankton», sagt Victoria Fabry, von der California State University in San Marco.Dadurch könnte das Ökosystem der Meere, seine Artenvielfalt und seine Produktivität, grundlegend verändert werden, sagen die Forscher. Der CO2-Effekt auf die Kalkbildung könne sie um 25 bis 40 Prozent verlangsamen, wenn die Konzentration des Gases in der Atmosphäre auf 0,7 bis 0,8 Promille ansteige, prognostizieren die Wissenschaftler. Einen Wert in dieser Höhe werde die atmosphärische CO2-Konzentration bei der heute angenommenen Nutzung fossiler Brennstoffe bis zum Ende des 21. Jahrhunderts erreichen.