netzeitung.deVulkanschub für die Klimaschaukel

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Ausbruch des Popocatépetl in Mexiko im Januar 2001. (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ausbruch des Popocatépetl in Mexiko im Januar 2001.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Vulkanausbrüche können das globale Klima beeinflussen. Offenbar begünstigen Eruptionen in den Tropen das Einsetzen des Klimaphänomens El Niño.

Das Klimaphänomen El Niño tritt nach seinem natürlichen Rhythmus alle zwei bis sieben Jahre – im Mittel etwa alle vier Jahre – auf. Doch offenbar können Vulkanausbrüche diese Zwischenzeit verkürzen.
Enso gibt den Ton an
Das von peruanischen Fischern nach seinem weihnachtlichen Einsetzen «Christkind» genannte Phänomen ist eng verbunden mit der so genannten «Southern Oscillation». Diese bestimmt die Stärke der Passatwinde längs des Äquators im Pazifik. Der Passat lässt vor der Küste Südamerikas und längs des Äquators im östlichen Pazifik kaltes Wasser an die Meeresoberfläche quellen. In El-Niño-Jahren bleibt diese Strömung aus. Aufgrund der engen Verbindung spricht man vom El-Niño/Southern-Oscillation-Phänomen «Enso».

«Enso ist die bestimmende Form jährlicher Klimavariabilität auf diesem Planeten», sagt Caspar Ammann vom US-amerikanischen National Center for Atmospheric Research in Boulder, Colorado. Gemeinsam mit Brad Adams und Michael Mann von der University of Virginia in Charlottesville hat der Meteorologe untersucht, ob Enso selbst Schwankungen unterliegt.

«Keine enge Verbindung»
Wie die Forscher jetzt im Magazin «Nature» berichten, zeigt eine Rekonstruktion der Wetterereignisse über etwa 350 Jahre, dass Vulkanausbrüche in den Tropen die Enso-Wahrscheinlichkeit im Folgewinter verdoppeln. Die Eruptionen schleudern große Mengen Asche und Staub in die Atmosphäre, wodurch ein Teil der Sonnenwärme zurück ins All reflektiert wird. Die folgende Abkühlung der Atmosphäre würde das Auftreten von El Niño begünstigen, sagen die Forscher.

«Ich würde das keine enge Verbindung nennen, es ist keine Eins-zu-eins-Beziehung», sagt der Wissenschaftler Mann. Doch nach fast jedem zweiten Vulkanausbruch der letzten vier Jahrhunderte folgte ein El-Niño-Jahr. Diese Verbindung wurde bereits für das vergangene Jahrhundert beschrieben. Doch man schätzte diese Zeit als zu kurz ein, um Zufälle ausschließen zu können.

Polareis, Bäume und Korallen
Anhand von historischen Aufzeichnungen und Ascheablagerungen in polarem Eis konnten die Forscher Vulkanausbrüche jetzt aber bis ins frühe achtzehnte Jahrhundert zurück verfolgen. El-Niño-Jahre konnten sie über eine Zeit von 350 Jahren ebenfalls im Polareis, aber auch anhand veränderter Jahresringe von Bäumen und Spuren in Korallen nachweisen.

Ihre Erkenntnisse könnten zu verbesserten Klimavorhersagen dienen. Das Wetterphänomen El Niño geht mit Dürre und Bränden in einigen Gebieten wie Australien einher. In anderen kommt es dagegen zu stärkeren Niederschlägen und Überschwemmungen. «Wir untersuchen, wie El Niño auf Veränderungen natürlicher Faktoren reagiert, um vielleicht besser verstehen zu können, wie es auf den menschlichen Einfluss auf das Weltklima reagiert», sagt Mann.


Für das Web ediert von Patrick Eickemeier