netzeitung.deTreibhausgas verändert die Meeres-Chemie

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Der Pazifik, aufgenommen von Bord eines Spaceshuttles. (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der Pazifik, aufgenommen von Bord eines Spaceshuttles.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Kohlendioxid-Ausstoß durch die Nutzung fossiler Brennstoffe könnte nicht nur das Klima, sondern auch die Lebensgemeinschaft der Meere dauerhaft verändern.

In den nächsten Jahrhunderten könnte der pH-Wert der Ozeane vom natürlichen Wert auf «neutral» fallen. Das besagen Modellrechnungen, die von einem unvermindert anhaltenden Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) ausgehen. Das Sinken des pH-Wertes könnte die Lebensgemeinschaft der Meere tiefgreifend verändern.
Düstere Prognose
Ken Caldeira und Michael Wickett vom kalifornischen Lawrence Livermore National Lab haben ein Computer-gestütztes Zirkulationsmodell der Ozeane mit Werten der CO2-Konzentration in der Atmosphäre aus den Jahren 1975 bis 2000 gefüttert. Um den zeitlichen Rahmen zu erweitern, fügten sie zudem geschätzte CO2-Werte für die Jahre 2000 bis 2100 ein, die das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) in einer Prognose veröffentlicht hat. Die Werte für die fernere Zukunft wurden anhand der verbleibenden Reserven fossiler Brennstoffe abgeschätzt.

Wie die Forscher jetzt im Magazin «Nature» berichten, könnte der mittlere pH-Wert in den kommenden Jahrhunderten stärker fallen als in den vergangenen 300 Millionen Jahren. Das in die Atmosphäre entlassene CO2 würde teilweise vom Meerwasser aufgenommen, sich mit Wasser zu Kohlensäure verbinden und dadurch den pH-Wert senken. Nach den Aussagen des Computermodells ist eine Abnahme um 0,7, vom üblichen, leicht basischen Wert um 8 auf etwa 7,3 möglich.

Knappes Baumaterial
Die Autoren warnen vor unabsehbaren Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaft der Ozeane. Korallen, bestimmte Planktonarten und andere Organismen mit kalkhaltigen Schalen könnten am stärksten betroffen sein. Bei neutralem pH-Wert fällt weniger Kalk aus dem Wasser aus, den Tieren würde das Baumaterial ausgehen. Sie bewohnen zudem größtenteils das Oberflächen-Wasser, in dem die stärksten pH-Veränderungen erwartet werden. Doch auch die Bewohner tieferen Wassers seien gefährdet, da sie möglicherweise empfindlicher auf das Sinken des pH-Wertes reagierten, schreiben die Forscher.

Das größte Problem sei die Geschwindigkeit, mit der CO2 durch menschliche Aktivität frei gesetzt wird. Veränderungen in vergangener Zeit seien meist sehr langsam – durch geologische und evolutionäre Prozesse – von statten gegangen. Die Chemie der Ozeane sei durch Wechselwirkungen mit Kalkkristallen stabil geblieben. Auf den kurzfristigen Anstieg atmosphärischen Kohlendioxids würde das Ökosystem Meer empfindlicher reagieren.


Für das Web ediert von Patrick Eickemeier