netzeitung.deGrönlands Schmelzwasser könnte Golfstrom blockieren

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Grönlands Eismassen könnten den Golfstrom blockieren. (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Grönlands Eismassen könnten den Golfstrom blockieren.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ein neues Klimamodell haben belgische Forscher vorgestellt. Es untersucht die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf Grönland - und kommt zu einem paradoxen Ergebnis.

Grönlands schmelzende Eismassen könnten den Golfstrom im Nordatlantik blockieren und so die zunehmende Erwärmung Nordeuropas abbremsen. Zu diesem Ergebnis kommen belgische Klimaforscher aufgrund von Computerberechnungen zur globalen Erwärmung. Ihr Klimamodell haben die Forscher jetzt auf einer Fachtagung in Nizza vorgestellt.
Frischwasser-Pool an der Oberfläche
Philippe Huybrechts und seine Kollegen von der Universität in Brüssel berechneten die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Eisdecke Grönlands für die kommenden 100 Jahre. Demnach sollten die durchschnittlichen Jahrestemperaturen in der Region bis zum Jahr 2080 um etwa vier Grad steigen. Dadurch würden große Teile der grönländischen Eisdecke schmelzen und der Spiegel des Nordatlantik um rund fünf Zentimeter steigen.

Für die Zeit nach 2080 ergaben die Computerberechnungen jedoch eine überraschende Entwicklung. Da das Schmelzwasser leichter ist als das salzige Atlantikwasser, sammelt es sich an der Oberfläche. Dieser Frischwasser-Pool, so die Prognose, könnte um 2080 solche Dimensionen erreichen, dass der Golfstrom dadurch teilweise blockiert und so der Transport von warmem Wasser in den Nordatlantik verhindert würde.

«Der Golfstrom würde etwa ein Drittel weniger Wasser transportieren», so Huybrechts im Gespräch mit dem Online-Dienst des Magazins «Nature». Eine Folge dieser Entwicklung wären sinkende Temperaturen in der nördlichen Hemisphäre, in Nordeuropa um drei, in Kanada um bis zu fünf Grad Celsius.
Kälteschock auf Grönland
Auf Grönland käme es zu einem regelrechten Kälteschock: Um bis zu zehn Grad, so die Prognose, würden hier die Temperaturen zurückgehen. So könnte es zu der paradoxen Situation kommen, dass «der Treibhauseffekt letztlich verhindert, dass der grönländische Eisschild vollständig abschmilzt», so Huybrechts.

Ob sich der lädierte Eispanzer nach dem Temperatursturz wieder regenerieren würde, ist der Prognose nicht zu entnehmen. Um dies zu ermitteln, so die Forscher, wäre ein neues Modell erforderlich – inklusive mehrere Monate teurer Rechnerzeit.


Für das Web ediert von Thomas Trösch