14.12.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Polizisten lassen dem CO2-Ballon das Gas aus
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Weit über einhundert Entwicklungsländer haben in Kopenhagen zeitweilig die Klima-Gespräche unterbrochen. Sie fordern das die Fortschreibung des Kyoto-Protokolls, das lediglich für die Industrieländer gilt.
Beim Klimagipfel in Kopenhagen ist es zu einem Eklat gekommen. Die Entwicklungsländer einschließlich China und Indien haben am Montag zeitweilig die Verhandlungen über das geplante Weltklimaabkommen blockiert, um die Industrieländer zu ehrgeizigeren Zielen zu drängen. Unter anderen Umweltminister Norbert Röttgen bemühte sich daraufhin um Vermittlung zwischen armen und reichen Ländern, wie sein Ministerium mitteilte.
Aus Sicht von Beobachtern ist trotz des Streits noch nichts verloren. In Kopenhagen verhandeln seit einer Woche 192 Länder über ein Abkommen, um eine Klimakatastrophe abzuwenden. Es soll bis Ende der Woche zumindest in Eckpunkten stehen. Röttgen (CDU) ist seit dem Wochenende in der dänischen Hauptstadt. Ende der Woche trifft auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ein. Der britische Premier Gordon Brown will sogar bereits am Dienstag anreisen, zwei Tage früher als geplant, um die Verhandlungen in Schwung zu bringen.
«Derzeit passiert hier nichts»Am Montag weigerten sich jedoch etwa 135 Entwicklungsländer unter Führung einiger afrikanischer Nationen zunächst, in den Arbeitsgruppen weiter zu reden. «Derzeit passiert hier nichts», sagte Zia Hoque Mukta, ein Delegierter aus Bangladesch. Die Entwicklungsländer forderten Konferenzpräsidentin Connie Hedegaard auf, die Emissionsziele der Industrieländer ganz oben auf die Tagesordnung zu setzen, bevor die Gespräche wieder aufgenommen werden können.
Sie wollen durchsetzen, dass das Kyoto-Protokoll auch für die Zeit nach 2012 fortgeschrieben wird. Das Protokoll sieht nur für die Industrieländer verbindliche Klimaziele vor. Die Industrieländer wollen dagegen ein völlig neues Abkommen, das auch Schwellen- und Entwicklungsländern Pflichten auferlegt - allerdings geringere als den reichen Staaten.
«Das ist Verhandlungsdonner»Aus der deutschen Delegation hieß es, man sollte den Streit nicht zu hoch hängen. «Das ist Verhandlungsdonner», hieß es. Röttgen sei von Hedegaard beauftragt, vermittelnde Gespräche mit einzelnen Delegationen zu führen. Auch Experte Kim Carstensen vom World Wide Fund for Nature meinte: «Ich glaube nicht, dass die Gespräche jetzt stranden, aber wir verlieren Zeit.»
Bei den eigenen Bemühungen um Klimaschutz ist Deutschland im internationalen Vergleich abgerutscht. Das ergab der Klimaschutz-Index 2010 der Entwicklungsorganisation Germanwatch. Die Bundesrepublik sank von Platz fünf auf Platz sieben. Ganz vorne liegt in diesem Jahr Brasilien - allerdings nur auf Platz vier, weil die Plätze eins bis drei gar nicht vergeben wurden.
Deutschland zeigt Schwächen«Erneut hat noch kein Land den Pfad zur Vermeidung eines gefährlichen Klimawandels eingeschlagen», mahnte Klimaschutz-Experte Jan Burck. In Europa liegen Schweden und Großbritannien vor Deutschland. Schweden war immer besonders gut, doch unter den traditionellen Industrieländern war Deutschland noch 2007 Spitze - damals unter dem Eindruck des Klimaschutzprogramms der Großen Koalition. Nun sehen die Experten Rückschläge. «Vor allem bei der Umsetzung der Meseberger Klimaschutzbeschlüsse von 2007 hat Deutschland bislang Schwächen gezeigt», erklärte Germanwatch-Experte Christoph Bals. Er kritisierte auch eine deutsche Blockade-Politik auf EU-Ebene. (AP)