26. Jun 2001 11:05
Der tropische Regenwald des Amazonasbeckens könnte weitaus schneller verschwinden, als bisher vermutet. Grund: Der Wald kann sich seinen Regen nicht mehr selber machen.
Dass alles gar nicht so schlimm ist, war der Tenor einer Serie im «Spiegel» Anfang dieses Jahres. Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt der Tropenökologe James Alcock von der Pennsylvania State University. Er macht, was von vielen Kritikern der Amazonas-Forschung angeprangert wird: In seinem Büro im reichen Norden sitzen und Computermodelle basteln.Alcocks mathematisches Modell sagt voraus, dass die fortschreitende Entwaldung durch Menschenhand innerhalb eines Jahrzehnts einen Effekt zeigen könnte, der die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes unumkehrbar machen würde: Je mehr Wald abgeholzt wird, desto weniger Wasser bekommt die Luft durch die Verdunstung der Blätter zurück. Der Regenwald ist immer weniger in der Lage, sich seinen Regen selber zu machen. Mehr Wasser fließt über die Flüsse ab, Boden-Erosion nimmt zu, das Klima wird trockener - zu trocken, um selbst die nicht von Rodung bedrohten Gebiete als Regenwald aufrecht zu erhalten. Mehr Waldbrände könnten diesen selbstverstärkenden Effekt noch verschlimmern.
«Die gegenseitige Abhängigkeit von Klima und Wald bedeutet, dass Risiken für die Wälder viel unmittelbarer sind als wir annehmen könnten», sagt Alcock, der sein Modell am Montag auf einer Geologen-Tagung zum Thema «Earth System Processes» in Edinburgh vorstellte. Sein Modell widerspricht vor allem der Meinung pragmatischer Regenwald-Forscher: Sie glauben, dass die weitere Abholzung von Menschenhand ohnehin nicht aufzuhalten ist und favorisieren parzellenartige Schutzprojekte.Alcock will sich in Zukunft weiter um die Klimaforschung im Amazonasbecken kümmern – was dann seiner Meinung nach auch eine erste Forschungsreise in sein Forschungsgebiet und Kooperationen mit dortigen Feldforschern einschließen sollte.