11.08.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Schön anzusehen: Schmelzender Eisberg
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Alle drei Tage verschwindet Arktiseis von der Größe Deutschlands. Für einige Anwohner ein Grund zur Freude. Klimaforscher fürchten hingegen, dass die Eisfläche auf einen neuen Tiefstwert schrumpfen könnte.
Auch der diesjährige Sommer ist für die Arktis verheerend. Alleine im Monat Juli schmolzen dort täglich im Durchschnitt 106.000 Quadratkilometer Eis, meldet das US-Institut für Schnee- und Eisdaten (NSIDC) in Boulder/Colorado. Alle drei Tage verschwindet eine Eisdecke von der Fläche Deutschlands.
Im vergleichbaren Monat Juli des vergangenen Jahres lösten sich nur 94.000 Quadratkilometer pro Tag im Ozean auf. 2007 lag die Tagesrate allerdings mit 107.000 Quadratkilometer Eisverlust auf einem ähnlichen Niveau wie 2009.
Das diesjährige Wetter ähnele dem warmen Klima von 2007, als das Polareis auf sein bisheriges Rekordminimum von 4,3 Millionen Quadratkilometer geschrumpft war, so Walt Meier vom NSIDC. Zum jetzigen Zeitpunkt dehne sich die Eiskappe zwar noch über 6,75 Millionen Quadratkilometer. Dennoch könnte die Eisfläche bis September - wenn der arktische Sommer zu Ende geht - noch unter den Tiefstwert schrumpfen, warnte Meier im Gespräch mit der AP.
Eisfreie Arktis in 30 JahrenMeier rechnet damit, dass das im Winter neu gefrierende Eis nur eine dünne, schwache Schicht bilden werde. Während dicke Eisschichten früher über Jahre bestehen blieben, überdauern die in den Wintern gefrierenden dünnen Eisdecken heute die Sommer nicht mehr, wie Meier erklärte. Die US-Behörde zur Überwachung der Ozean- und Atmosphärenqualität (NOAA) hat im April prognostiziert, dass der arktische Sommer schon binnen 30 Jahren fast gänzlich eisfrei sein könnte - nicht wie ursprünglich erwartet erst Ende des Jahrhunderts.
Im Eskimodorf Tuktoyaktuk im Nordwesten Kanadas beispielsweise sind die Temperaturen dieses Jahr bereits auf fast 30 Grad Celsius gestiegen. «Die Kinder sind im Ozean schwimmen gegangen», sagte Einwohner Eddie Gruben.
Arktis erhitzt sich schnellerDer 89-Jährige beobachtet seit vier Jahrzehnten, wie das Eis vor dem 900-Einwohner-Dorf schmilzt. «Vor 40 Jahren war es noch 40 Meilen (64 Kilometer) draußen.» Heute sei die Eisgrenze 128 Kilometer von der Küste entfernt. Während die Temperaturen im letzten Jahrhundert weltweit im Schnitt um etwa 0,6 Grad angestiegen sind, war die Erwärmung in der Arktis mehr als doppelt so hoch. Wissenschaftler führen diese Klimaveränderung fast gänzlich auf Treibhausgasemissionen zurück. (AP/dpa/nz)