CO2-Emission von Ministerdienstwagen: 

netzeitung.deÜber 300 PS - Klimakiller Kabinettslimousinen

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CO2-Richtwerte der der EU weit verfehlt (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe CO2-Richtwerte der der EU weit verfehlt
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Von Vorbildfunktion ist wenig zu sehen. Einige Minister sind mit mehreren hundert Pferdestärken unterwegs. Benzinverbrauch und CO2-Emissionen sind entsprechend hoch - auch bei den Umweltministern.

Minister fahren gerne dicke Autos, die meisten davon sind vollkommen übermotorisiert. Einige Umweltminister haben Wagen mit weit über 300 PS. Die meisten anderen verfügen immerhin noch über mehr als 200 Pferdestärken. Bereits zum dritten Mal hat die Deutsche Umwelthilfe die Dienstwagen von deutschen Politikern angeschaut. Das Ergebnis ist, wie auch in den letzten beiden Jahren, ernüchternd: Lediglich zwei Ministerinnen geben sich mit umweltschonenden Hybridfahrzeugen mit weniger als 100 PS zufrieden.

Das Bundeskabinett überschreitet fast komplett die CO2-Zielwerte der Europäischen Union für 2008 um 100 Prozent. Nur die Emissionen der Dienstwagen der Umweltministerinnen von Berlin und Hamburg unterschreiten die EU-Richtwerte deutlich. Laut der Erhebung hat die Übermotorisierung ihren Höhepunkt wohl trotzdem hinter sich, Benzinverbrauch und CO2-Emissionen sind zumindest leicht rückläufig.

Thüringens Umweltminister Volker Sklenar (CDU) und Christian von Boetticher, sein Kollege aus Schleswig-Holstein, gehen mit schlechtem Beispiel voran: Ihre Audis stoßen 249 g CO2 pro Kilometer aus (A8 4.2 TDI).

Wieczorek-Zeul und Zypries an der Spitze
Unschön sieht es auch bei den Bundesministern aus: Der Audi A8 FSI Quattro von Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hat sportliche 349 PS. SPD-Genossin und Justizministerin Brigitte Zypries fährt das gleiche Modell, der CO2-Ausstoß liegt bei fast 250 Gramm pro Kilometer. Das Bundesumweltministerium (BMU) hat reagiert, schon vor der Anfrage schickte Sigmar Gabriels Ministerium eine Liste mit dem gesamten Fuhrpark – der Durchschnitt liegt hier bei knapp über 150 g/km.

Mit zwei Ausnahmen verweigerten die Regierungschefs der Länder dem DUH fast geschlossen die Auskunft. «Reihenweise Fahrzeuge, deren Motorisierung an die der schwersten Lkw heranreicht«, erwartet Jürgen Lesch, Bundesgeschäftsführer der DUH, bei den Limousinen der Ministerpräsidenten.

Sicherheitsbedenken von Jürgen Rüttgers
Die Ministerpräsidenten Jens Böhrnsen (Bremen, SPD) und Peter Müller (Saarland, CDU) sind offenbar weniger ängstlich als ihr nordrhein-westfälischer Kollege Jürgen Rüttgers. Bei der letztjährigen Umfrage hatte Rüttgers mit dem Hinweis auf Fragen der Sicherheit seine Angaben verweigert. Gegen den CDU-Politiker läuft derzeit eine Musterklage, die noch in diesem Jahr entschieden werden soll. Bei entsprechendem Urteil könnte den Ministern dann eine Auskunftspflicht auferlegt werden.

Darüber hinaus gibt es nach wie vor keine gesetzliche Regelung für Maximalemissionen von Dienstwagen – trotz der ambitionierten Klimaziele der Bundesregierung.


Für das Web ediert von Patrick Loewenstein