Klimaschutz ist Gottes Wille:
«Die Hütte der Frommen wird grünen»
27. Okt 2008 14:18
 |  Saubere Energie in Nordelbien | Foto: ap |
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«Energiefasten» und Niederigenergie-Pasotrate nördlich der Elbe - Weltweite Klimagerechtigkeit ist für Pastor Jan Christensen ein biblischer Auftrag.
Wenn die Kirchenparlamentarier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vom 2. bis 5. November in Bremen über den Klimaschutz debattieren, werden sie mit Interesse nach Norden blicken. Die nordelbische Kirche hatte bereits 1989 ein Ökoprogramm beschlossen, als Klimaschutz mancherorts noch als linkslastige Ideologie galt. Anfang Oktober wurde eine neue Klimaoffensive vorgestellt.
Auslöser der Öko-Debatte 1989 in Nordelbien war der Streit um die Kernenergie. Mit der bloßen Ablehnung von Atomkraftwerken wollte sich die Synode Ende der 80er Jahre nicht begnügen und forderte weitreichenden Umweltschutz. Neben Öko-Landbau auf Kirchenäckern und Vollwertkost in evangelischen Tagungshäusern wurden damals schon Wärmedämmung, Solartechnik und Kraft-Wärme-Kopplung zum Schutz des Klimas gefordert.
Wiege des Öko-Stroms
Schließlich gilt Schleswig-Holsteins Westküste als Wiege des Öko-Stroms. Im Juli 1983 startete an der Elbmündung bei Marne die «Große Wind-Anlage», kurz «Growian» genannt. Kurz darauf ging auf Pellworm das bundesweit erste Sonnenkraftwerk in Betrieb. Während Growian nach vier Jahren wieder abgebaut wurde, liefert die Pellwormer Anlage bis heute sauberen Strom.
Niedrigenergie-Pastorate
Schon Anfang der 90er Jahre wurden in der Nähe von Rendsburg zwei Niedrigenergie-Pastorate gebaut, deren Beheizung aber noch ein umfassendes Studium der Regelungstechnik voraussetzte. Vorzeige-Projekt ist das Öko-Gemeindehaus von Krummesse bei Lübeck. Eine Solaranlage erwärmt Wasser und Fußbodenheizung, Strom wird mit einer Fotovoltaik-Anlage erzeugt. Als eines der ersten Öko-Häuser in Hamburg wurde 1995 die Verwaltung des Kirchenkreises Niendorf gebaut.
Weltweite Klimagerechtigkeit ist für Nordelbiens Klimaschutz-Beauftragten Pastor Jan Christensen ein biblischer Auftrag. Die Entwicklungsländer hätten durch Stürme, Dürre und Überflutungen am meisten unter dem Klimawandel zu leiden, obwohl sie am wenigsten dazu beigetragen haben.
Bischöfliches «Energie-Fasten»
Mittlerweile sprießen die Klimaschutz-Initiativen im Norden. Derzeit nutzen 50 der 600 Gemeinden Solarenergie. Unter dem Stichwort «Fair Fliegen» zahlt das Nordelbische Missionszentrum für jeden Flugkilometer einen Öko-Beitrag. In Berkenthien bei Lübeck werden Kirche und Pastorat mit Holzpellets beheizt. Aschermittwoch rief Lübecks Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter zum «Energie-Fasten» auf. Die Fahrzeuge der Diakonie sollen künftig mit Strom fahren.
Energie-Sparlampen seien zwar sinnvoll, sagt Umweltpastor Thomas Schaack. Wirksam gesenkt werde der CO2-Ausstoß aber nur durch Wärmedämmung der rund 5.000 kirchlichen Gebäude. Allein die regelmäßige Überprüfung der Energiekosten könne zehn Prozent Einsparung bringen. Im Zuge der Klimaoffensive «Die Hütte der Frommen wird grünen» können Gemeinden knapp 40.000 Euro für Klimaschutz-Ideen gewinnen. Schaack rät für langfristige Energiespar-Umbauten sogar zur Aufnahme von Krediten.
Mit Bus und Bahn in die Kirche
Nicht alle Synoden-Vorschläge von 1989 hielten allerdings dem realen Leben stand. So sollten Kirchenveranstaltungen mit Bus und Bahn besucht werden. Aber noch immer müssen bei Synodentagungen in Rendsburg zusätzliche Parkflächen ausgewiesen werden. Auch Tempo 100 wurde seinerzeit gefordert. Doch dass Bischofsfahrer auf Autobahnen 100 km/h fahren, ist eher die Ausnahme. (nz/dpa)