14.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Eine Demonstrantin fordert mehr Artenschutz im Vorfeld der UN-Konferenz
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Liste an Themen, die auf dem UN-Artschutzgipfel verhandelt werden sollen ist lang. Vom Kampf gegen Biopiraterie bis zu Schutzgebieten an Land und auf dem Meer. Umweltminister Gabriel warnte indes vor einem Scheitern der Konferenz.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel will der «Biopiraterie» den Kampf ansagen. Wenige Tage vor Beginn der UN-Artenschutzkonferenz in Bonn verlangte Gabriel am Mittwoch, die Vorteile aus der Nutzung genetischer Ressourcen müssten endlich gerecht aufgeteilt werden.
«Die Entwicklungsländer bezeichnen es zu Recht als Biopiraterie, wenn Industrienationen sich im Regenwald genetischer Ressourcen unerlaubt bedienen, daraus Medikamente machen, aber keinen Cent zurückzahlen», sagte der SPD-Politiker. Als weiteres wichtiges Thema der Konferenz nannte Gabriel die Verbesserung der Finanzierung des globalen Schutzes der Artenvielfalt. Dazu müssten neue Finanzierungsquellen erschlossen werden.
Erlöse aus Emissionshandel für den NaturschutzDeutschland werde 2008 erstmals die Erlöse aus dem Emissionshandel auch für die Erhaltung natürlicher Kohlenstoffsenken wie Wälder und Moore und zur Anpassung von Lebensräumen an den Klimawandel nutzen. «Dafür stehen uns bis zu 40 Millionen Euro jährlich zur Verfügung», sagte der Umweltminister.
Die Errichtung eines weltweiten Netzes von Schutzgebieten an Land und auf dem Meer ist laut Gabriel ein weiteres zentrales Anliegen Deutschlands für die Konferenz. «Wir wollen eine neue Dynamik auslösen, beim Schutz bedrohter Ökosysteme einen deutlichen Schritt voran zu kommen.» Grundidee des Ministers ist, dass Staaten ihre Bereitschaft erklären, neue Flächen als Schutzgebiete auszuweisen, wenn dafür im Gegenzug Finanzmittel bereitgestellt werden.
Raubbau im Regenwald und in den MeerenPro Jahr werde eine Waldfläche drei Mal so groß wie die Schweiz zerstört, sagte Gabriel. Bei weiterem Raubbau in den Weltmeeren werde von 2050 an keine kommerzielle Meeresfischerei mehr möglich sein. Brasilien und andere Staaten wollen nach seinen Angaben den Abbau von Handelsschranken mitverhandeln, der Thema der Welthandelsrunde ist. «Das wird nicht funktionieren», sagte der Umweltminister. Er hoffe aber auf gemeinsame Verabredungen.
Gabriel warnte vor einem Scheitern des Artenschutz-Gipfels. «Die Weltgemeinschaft steht an einem Scheideweg», sagte er. «Entweder, es gelingt uns jetzt, bis zum Jahre 2010 den Schutz der biologischen Vielfalt weltweit grundlegend voranzubringen, oder wir beweisen der Weltbevölkerung, dass es nicht viel wert ist, wenn 190 Staaten fast alle Staaten der Erde ein Übereinkommen unterschreiben.» Und weiter: «Es geht im Kern auch um das Überleben von Menschen auf unserem Planeten.»
Bisher «wenig bis gar nichts getan»Die 9. Vertragsstaatenkonferenz der Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt vom 19. bis zum 30. Mai ist das letzte Treffen vor 2010. Bis zu diesem Jahr soll der Verlust der Artenvielfalt entscheidend verringert werden. In den vergangenen 16 Jahren sei aber «wenig bis gar nichts getan» worden, kritisierte der SPD-Politiker. Die aktuelle Rate des globalen Artensterbens übersteige die natürliche Aussterberate um das 100- bis 1000-fache.
Der Naturschutzbund Nabu verlangte eine größeres Engagement der Bundesregierung bei der Erhaltung der Artenvielfalt. «Mit einer Gefährdungsrate von rund 40 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten erreicht Deutschland einen der europäischen Spitzenwerte», erklärte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke. Analog zum Klimaschutz müsse die Regierung daher ein «Integriertes Programm zur Entwicklung der Biodiversität» verabschieden.
Der Deutsche Bauernverband regte an, auch beim Naturschutz mehr auf Qualität statt häufig nur auf Quantität zu achten. Generalsekretär Helmut Born erklärte, die Ausweisung eines Schutzgebiets sei noch kein automatischer Beitrag für den Naturschutz. In alle Planungen im Naturschutz müssten die Bauern als Landnutzer einbezogen werden. (AP/dpa)