netzeitung.de«Vater, ich bin ganz lebendig»

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Christoph Stölzl (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Christoph Stölzl
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Berlins früherer Kultursenator Christoph Stölzl verbrachte zwölf Stunden vor dem Fernseher, nach einem Anruf seiner Tochter aus New York.

«Am Mittag des 11. September klingelte unser Telefon. Am anderen Ende die vertraute Stimme unserer Tochter, die seit drei Jahren als Anwältin in New York arbeitete. Erst kürzlich hatten meine Frau und ich sie in ihrem schwarzen Wolkenkratzer an der Liberty Plaza besucht und waren mit ihr aufs Dach des direkt daneben stehenden World Trade Center gefahren.

Die Stimme sagte aufgeregt: «Vater, ich bin ganz lebendig.» Ich fragte ahnungslos: «Was ist los, hast Du einen Unfall gehabt?» Die Antwort war stenographisch kurz. «Etwas Entsetzliches ist bei uns passiert. Zwei Flugzeuge sind in die Twin Towers gestürzt. Alles brennt. Unsere One Liberty Plaza ist beschädigt, alle mussten raus, aber niemand ist was geschehen. Geht sofort an den Fernseher und wundert euch nicht, wenn das Telefon gleich aufhört.»

In der Tat brach die Verbindung ab. Die nächsten zwölf Stunden habe ich vor dem Fernseher verbracht, gelähmt vom Anblick des Unglaublichen und unfähig, mich von den immer wiederholten Bildern zu lösen, aber zugleich mit Dankbarkeit im Herzen, dass unser Kind, dem Unheil so nah, verschont geblieben war.»

Die Netzeitung sprach mit dem Vize-Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses Christoph Stölzl (CDU). Der Historiker ist Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin. Davor war er u.a. Kultursenator des Landes Berlin sowie über zehn Jahre Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums.