«Wir mussten professionell reagieren»
11.09.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Um 14:56 Uhr ging unsere erste Eilmeldung raus. Weil wir zuerst an ein Unglück dachten, lief sie über das Ressort 'Vermischtes'. Spätestens nach dem zweiten Einschlag war klar, dass es sich um Anschläge handelte, die Meldungen wechselten dann in den Bereich Politik, Stichwort Terrorismus.
Insgesamt herrschte eine äußerst unübersichtliche Nachrichtenlage, auch aus den USA kamen ja zuerst sehr widersprüchliche Meldungen.
Es lag eine große Dramatik in diesen Stunden, wir waren alle emotional tief berührt. Viele fragten sich, 'was geht da eigentlich vor'. Doch die persönliche Betroffenheit wurde zunächst völlig überlagert durch professionelles Handeln.
Die anfängliche Unsicherheit erinnert mich an die Pressekonferenz von SED-Funktionär Günter Schabowski von 1989, der mit einer unklaren Äußerung zu Reiseerleichterungen die Maueröffnung auslöste. Man hört, sieht und berichtet, aber man wusste zunächst nicht, welche riesige Bedeutung es bekommt. Das war auch am 11. September 2001 so.«
Christian Volbracht ist Chef vom Dienst bei der Deutschen Presseagentur (dpa) in Hamburg. (Protokoll: nz)

