netzeitung.de«Wir mussten professionell reagieren»

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Christian Volbracht (Foto: dpa/Kay Nietfeld<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Christian Volbracht
Foto: dpa/Kay Nietfeld
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Christian Volbracht und seine Mitarbeiter von der Nachrichtenagentur dpa mussten damals professionell reagieren.

«In unserer Hamburger Zentralredaktion laufen auf Fernsehschirmen ständig Bilder aus aller Welt. Von den ersten Bildern, die CNN zeigte, waren wir sofort alarmiert, konnten das Ereignis aber zunächst nicht richtig einschätzen.

Um 14:56 Uhr ging unsere erste Eilmeldung raus. Weil wir zuerst an ein Unglück dachten, lief sie über das Ressort 'Vermischtes'. Spätestens nach dem zweiten Einschlag war klar, dass es sich um Anschläge handelte, die Meldungen wechselten dann in den Bereich Politik, Stichwort Terrorismus.

Insgesamt herrschte eine äußerst unübersichtliche Nachrichtenlage, auch aus den USA kamen ja zuerst sehr widersprüchliche Meldungen.

Wie zum Mauerfall
Wir schauten alle gebannt auf die dramatischen Bilder, mussten aber vor allem professionell reagieren: die umfangreiche Planung für die nächsten Stunden mit Meldungen, Reaktionen, Reportagen und Hintergrundtexten. Gegen 17 Uhr waren die ersten großen Zusammenfassungen und das Begleitmaterial bei den Kunden. Viele Zeitungsausgaben haben einen frühen Redaktionsschluss.

Es lag eine große Dramatik in diesen Stunden, wir waren alle emotional tief berührt. Viele fragten sich, 'was geht da eigentlich vor'. Doch die persönliche Betroffenheit wurde zunächst völlig überlagert durch professionelles Handeln.

Die anfängliche Unsicherheit erinnert mich an die Pressekonferenz von SED-Funktionär Günter Schabowski von 1989, der mit einer unklaren Äußerung zu Reiseerleichterungen die Maueröffnung auslöste. Man hört, sieht und berichtet, aber man wusste zunächst nicht, welche riesige Bedeutung es bekommt. Das war auch am 11. September 2001 so.«

Christian Volbracht ist Chef vom Dienst bei der Deutschen Presseagentur (dpa) in Hamburg. (Protokoll: nz)