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|  Historiker sieht Ziele von 9/11-Planern erreicht
11. Sep 2006 10:35
 |  Anschlag auf New York am 11. September 2001 | | Foto: dpa |
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Der Historiker Berg sieht die Motive für die Anschläge vom 11. September 2001 erfolgreich umgesetzt: Es sei den Terroristen gelungen, die USA zur Besetzung der beiden muslimischen Länder Afghanistan und Irak zu bewegen.
Fünf Jahre nach dem 11. September 2001 resümiert der Historiker Manfred Berg, die Planer der Anschläge in den USA seien in der Umsetzung ihrer Motive erfolgreich gewesen. «Man zögert, den Urhebern dieses schrecklichen Geschehens Erfolg zu bescheinigen», sagte der Professor für Amerikanische Geschichte an der Universität Heidelberg der Netzeitung. «Aber dennoch kann man die Anschläge als gelungene Provokation sehen. Es ist den Urhebern gelungen, die USA und einige ihrer Verbündeten dazu zu bringen, gleich zwei muslimische Länder, Afghanistan und den Irak, militärisch zu besetzen und damit eine direkte militärische Front zu eröffnen.»
Übergeordnetes Kalkül der Terroristen sei gewesen, mit den Anschlägen eine Konfrontation zwischen dem Westen der islamischen Welt herbeizuführen. Dies sei ihnen geglückt. «Wir wissen ja inzwischen, dass der 11. September ein Fanal sein sollte, und dieses Fanal hat durchaus gezündet», sagte Berg. Kritik übte der ehemalige Herausgeber der wissenschaftlichen Zeitschrift «American Studies Journal» am Vorgehen der US-Regierung. Zwar sei ein entschlossenes Vorgehen gegen den Terrorismus und seine Unterstützer notwendig. Doch der «Krieg gegen den Terror» und die Invasion im Irak hätten das Mächtegleichgewicht im Mittleren Osten nicht in der Art und Weise verändert, wie sich das die US-Regierung versprochen habe. «Denn eine Initialzündung für eine Demokratisierung der arabisch-islamischen Welt gab es nicht, dafür steht heute ausgerechnet der Iran gestärkt da.» Die amerikanische Invasion im Irak habe «die Idee der liberalen Demokratie eher diskreditiert, weil sie mit westlicher Bevormundung oder mit Chaos identifiziert» werde.
«Modernisierungskrise der arabischen Welt»
Die Auffassung, die islamische Welt sei das Opfer westlicher Unterdrückung und Verschwörung und gewaltsamer Widerstand völlig legitim, finde «offenkundig erhebliche Resonanz, nicht zuletzt unter jungen Muslimen in Metropolen des Westens», sagte der Wissenschaftler. Der islamistische Fundamentalismus und terroristische Extremismus seien «auch Ausdruck einer tiefen Modernisierungskrise der arabischen Welt». In den westlichen Gesellschaften habe es hingegen eine «Verschiebung zum Sicherheits- und Präventionsstaat gegeben». «In der Spannung zwischen Sicherheit und Freiheit hat sich die Präferenz von Politik und Bevölkerung in Richtung Sicherheit verschoben.» Bergs Urteil über die bisherige Amtsführung von US-Präsident George W. Bush fällt insgesamt negativ aus. «Die bisherige innen- und außenpolitische Bilanz seiner Präsidentschaft bietet wenig Veranlassung, ihm gute Noten zu geben oder seine intellektuellen und politischen Fähigkeiten zu preisen.» Allerdings hätten viele seiner Vorgänger einfach das Glück gehabt, nicht mit den selben Herausforderungen konfrontiert zu werden.
Für das Web ediert von Timo Hoffmann
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