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|  Deutsche im Antiterrorkampf «Analphabeten»
09. Sep 2006 08:17
 |  Bombenterror in Spanien im März 2004 | | Foto: AP |
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Nach Meinung des Historikers Wolffsohn wird hierzulande die Gefahr des religiös motivierten Extremismus unterschätzt. Deutschland stehe «das böse Erwachen noch bevor», sagte er der Netzeitung.
Nach Einschätzung des Historikers Michael Wolffsohn sind «Mega-Anschläge» von der Qualität des 11. September 2001 «jederzeit und nicht nur in den USA» möglich. Die Welt sei seit 9/11 «unsicherer geworden», sagte Wolffsohn der Netzeitung. «Wir aber reden uns ein, weiter so fröhlich auf höhere Kosten und Opfer für Sicherheit verzichten zu können», kritisierte der Professor an der Münchner Bundeswehr-Universität. «Deutschland steht das böse Erwachen noch bevor», fügte er unter Hinweis auf die vereitelten Anschläge gegen transatlantische Flüge von London in die USA hinzu.
Wie Wolffsohn sagte, unterschätzen vor allem in Deutschland und Westeuropa die Gefahr des religiös motivierten Extremismus. «Das liegt daran, dass die meisten Deutschen und Westeuropäer religiös 'unmusikalisch' bzw. fast Analphabeten sind - und darauf oft stolz sind», sagte er. «Wer Religion nicht auch als Faktor der Politik erkennt, verkennt die Welt-Wirklichkeit und hält Deutschland und Europa für 'die' Welt.»
Als weitere Schwierigkeit für den Anti-Terror-Kampf sieht Wolffsohn, dass das Problem sowohl die Internationale als auch die jeweilige Innenpolitik betreffe und «die Verflechtungen der Akteure sowohl analytisch als auch operativ schwer durchschaubar» seien. «Die westlichen Dienste sind zudem immer schlechter, die Gesellschaft sicherheitspolitisch zu schläfrig geworden», analysierte der Historiker.Die Ursache für den islamistischen Terrorismus sieht Wolffsohn gleichmaßen im Nahen Osten und in Deutschland bzw. Europa. «Unter den international-islamistischen Terroristen kommen die meisten aus Saudi-Arabien, Marokko, Ägypten, nicht aus Palästina», sagte der Historiker. Allerdings richte sich der von Iran und Syrien geförderte palästinensische Terror «seit Jahren 'nur' gegen Israel». Mit Blick auf Europa nannte Wolffsohn als Beispiele für islamistischen Terror unter anderen die Hamburger Zelle, die den 11. September 2001 entscheidend mitvorbereitet hat und die Anschläge von Madrid im März 2004 und London im Juli 2005. Die Verantwortlichen seien alle in Europa zu Terroristen «gewendet» worden, sagte er. «Auch bei uns müssen wir die Ursachen suchen, nicht nur bei Amerikanern und Israelis, Iranern und Syrern.»
Für das Web ediert von Dietmar Neuerer
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