«Kofferbomber» identifiziert sich auf Videos
Als Zeuge erzählte der damalige Leiter der Ermittlung des Bundeskriminalamts (BKA), wie die Polizei den «Kofferbombern» auf die Spur kam. Die Strecken beider Züge, in denen die Bomben entdeckt wurden, hätten sich nur in Köln gekreuzt und dort jeweils drei gleiche Bahnhöfe angefahren. Weil beide Züge binnen weniger Minuten von Gleis 3 des Kölner Hauptbahnhofs abgefahren waren, habe man zuerst die dortigen Kamerabilder ausgewertet.
Der BKA-Beamte sagte, beide Bomben seien in den mittleren Waggons der Züge in Großraumabteilen zwischen den Sitzreihen platziert worden. Schon wenige Minuten später habe Jihad H. den Kölner Hauptbahnhof ohne Koffer verlassen und ein Taxi zum Flughafen bestiegen. Die Bomben waren wegen eines technischen Fehlers nicht explodiert.
Die Ermittler hätten die Aufnahmen von 225 Kameras aus neun Bahnhöfen sichergestellt und ausgewertet, sagte der Zeuge. Das Material habe insgesamt aus 545 Tagen Videoaufnahmen bestanden. Zudem seien 1,3 Millionen Daten von Mobilfunktelefonen ausgewertet worden - ohne jeden Hinweis auf die Verdächtigen.
Youssef El H. war am 19. August nach einem Hinweis aus dem Libanon am Kieler Bahnhof festgenommen worden. Zuvor sei er der Polizei nicht aufgefallen. Zeugen hätten lediglich berichtet, dass der Student ein streng gläubiger Moslem sei.
Der im Libanon zu zwölf Jahren Haft verurteilte Jihad H. hatte sich nach seiner Flucht aus Deutschland in seiner Heimat der Polizei gestellt und ein Geständnis abgelegt. Youssef El H. war am Dienstag in Beirut in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Zwischen dem Libanon und Deutschland besteht kein Auslieferungsabkommen. Der Prozess in Düsseldorf soll am 10. Januar fortgesetzt werden. (dpa)
