netzeitung.deTerrorprozess gegen Islamisten in Madrid

 Herausgeber: netzeitung.de

Wegen geplanter Anschläge stehen in Spanien 30 Terrorverdächtige vor Gericht. Laut Anklage wollten sie einen LKW mit 500 Kilo Sprengstoff in die Luft jagen.

Drei Jahre nach ihrer Festnahme müssen sich 30 zumeist aus Algerien und Marokko stammende Männer in Madrid unter dem Vorwurf vor Gericht verantworten, eine Serie von Terroranschlägen in der spanischen Hauptstadt geplant zu haben.

Laut Staatsanwaltschaft wollten sie einen mit 500 Kilogramm Sprengstoff beladenen Lastwagen vor dem Nationalen Gerichtshof zur Explosion bringen - dem Gericht, vor dem sich die Gruppe seit Montag verantworten muss. Bei einem solchen Anschlag wäre mit zahlreichen Opfern zu rechnen gewesen. In dem Gericht arbeiten fast 1000 Richter, Staatsanwälte, Verteidiger und Justizangestellte.

Außerdem sollen die Angeklagten Anschläge auf das Gebäude des Obersten Gerichtshofs, auf die Zentrale der konservativen Volkspartei (PP) und einen Madrider Bahnhof geplant haben. Die Staatsanwaltschaft forderte für die Angeklagten Haftstrafen zwischen zweieinhalb und 46 Jahren. Als Drahtzieher des geplanten Anschlags gilt Abderrahmane Tahiri alias Mohamed Achraf, der im April 2005 von der Schweiz an Spanien ausgeliefert worden war.

Die spanische Polizei hatte das Terrornetz im Oktober 2004 aufgedeckt - sieben Monate nach den Anschlägen auf vier Madrider Pendlerzüge. Die Gruppe nannte sich «Märtyrer für Marokko» und soll nur indirekt mit den Attentätern vom 11. März 2004 zu tun gehabt haben. Bei diesen Anschlägen waren 191 Menschen getötet und mehr als 1800 verletzt worden.

Den mutmaßlichen Bombenlegern vom 11. März und deren Hintermännern wurde bereits der Prozess gemacht. Die Urteile werden am 31. Oktober verkündet. (dpa)