30.06.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Abtransport des Mercedes, in dem eine der Bomben gefunden wurde.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Nachtclubs in London waren vor Terroranschlägen mit Fahrzeugen gewarnt worden, heißt es. Derweil intensiviert die britische Polizei die Jagd nach den Bombenlegern.
Nachtclubs in Großbritannien sind nach einem Bericht der Zeitung «The Times» einige Tage vor der Entdeckung von zwei Autombomben im Zentrum Londons vor Terroranschlägen mit Fahrzeugen gewarnt worden. Ein mehr als 50 Seiten umfassendes Dokument, das Geschäftsleute auf die Gefahr von Autobomben hinweise, sei vor zwei Wochen von den Sicherheitskräften herausgegeben worden, berichtete die Zeitung am Samstag.
Vor einigen Tagen sei die Warnung unter anderem auch dem Club «Tiger Tiger» zugestellt worden, vor dem in der Nacht zum Freitag eines der beiden Autos mit Sprengsätzen aus Benzin- und Gaskanister sowie Nägeln entdeckt worden war. Nach Angaben der Zeitung hatte Scotland-Yard-Chef Sir Ian Blair erst kürzlich erklärt, in Personen- und Lastwagen versteckte Bomben seien derzeit für Großbritannien «die größte Gefahr».
Jagd nach Tätern auf vollen TourenDie britische Polizei hat unterdessen die Terroristen-Fahndung intensiviert. In die Ermittlungen seien inzwischen auch andere Länder eingeschaltet worden, hieß es am Samstag bei der BBC.
Von dem Sender befragte Sicherheitsexperten erklärten, die geplanten Autobombenanschläge hätten die Handschrift der Terrororganisation Al Qaeda erkennen lassen. Die Vorgehensweise erinnere an das Vorgehen früherer Zellen militanter britischer Muslime. Am 7. Juli 2005 hatten vier britische Muslime bei einer Anschlagsserie 52 Menschen getötet.
An den beiden Fahrzeugen sowie den am Freitag unschädlich gemachten Sprengsätzen aus Benzin, Nägeln und Gaskanistern seien zahlreiche Spuren gesichert worden. Einen Bericht des US-Senders ABC, wonach die Fahnder bereits über eine «kristallklare» Aufnahme eines mutmaßlichen Täters von einer Überwachungskamera verfügen, bestätigte Scotland Yard nicht.
Lage normalisiert sichDerweil normalisierte sich das Leben in London am Samstag weiter. Straßenabsperrungen wurden aufgehoben und der U-Bahn-Verkehr lief normal. Die Polizei kündigte eine Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen für geplante Großereignisse am Wochenende an. Dazu gehören das Tennisturnier in Wimbledon, eine Parade von Schwulen und Lesben sowie das am Sonntag geplante Popkonzert zum Gedenken an die vor zehn Jahren gestorbene Prinzessin Diana. Dazu werden im Wembley-Stadion Zehntausende von Menschen erwartet.
Die neue britische Innenministerin Jacqui Smith setzte für Samstag eine weitere Beratung der Notfall-Kommission COBRA an.
Hunderte Tote verhindertDie Autos mit den Sprengkörpern, die nach Angaben von Scotland Yard hunderte Menschen hätten töten können, waren unweit des Piccadilly Circus sowie des Hyde Parks entdeckt worden.
Polizisten waren am frühen Freitagmorgen um 02.30 Uhr zu einem metallic-grünen Mercedes gerufen worden, der vor einem Nachtclub in der Haymarket-Straße geparkt war. Die Besatzung eines Rettungswagens hatte Rauch aus dem Fahrzeug aufsteigen sehen und Alarm geschlagen, wie Antiterror-Chef Clarke mitteilte.
Sie war zu einem Verletzten in den Club «Tiger Tiger» gerufen worden, in dem während einer «Ladies Night» Hochbetrieb herrschte. Der beliebte Club kann bis zu 1.770 Besucher aufnehmen und hat bis 03.00 Uhr morgens (Ortszeit) geöffnet. Die US-Regierung rief wegen der Ereignisse in London ihre Bürger im In- und Ausland zur Wachsamkeit auf. Es gebe aber derzeit keine konkreten Hinweise auf Anschlagspläne zum amerikanischen Unabhängigkeitstag am 4. Juli, sagte eine Sprecherin der Heimatschutzbehörde.
Ungeachtet der laufenden Terrorfahndung herrschte in der Nacht zum Samstag in London ein reges Nachtleben. Bars und Clubs waren wie üblich um diese Zeit gut gefüllt. In den Straßen des Zentrums waren unzählige Nachtschwärmer unterwegs. (nz/dpa/AP)