Maghreb fürchtet Expansion von Al Qaeda
11.04.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Dass es ausgerechnet diese beiden Maghreb-Staaten traf, halten Antiterrorexperten nicht für Zufall: Al Qaeda versuche derzeit verstärkt, in der Region zu expandieren. In Casablanca, der marokkanischen Wirtschaftsmetropole, hatten sich drei Selbstmordattentäter auf der Flucht vor der Polizei in die Luft gesprengt und einen Beamten mit in den Tod gerissen. Ein weiterer Verdächtiger wurde von Polizisten erschossen. In Algier gingen Bomben vor dem Regierungssitz und einer Polizeiwache hoch.
Gleichzeitig haben die jüngsten Ereignisse in Casablanca und in Algier große Befürchtungen im Norden Afrikas, aber auch in Europa, bestätigt: Polizeiexperten warnen schon seit langem vor einer Strategie Al Qaedas und verwandter Gruppen zur Ausbreitung des islamistischen Terrors in der gesamten Region.
«Osama bin Laden hat seinen algerischen Vasallen befohlen, sämtliche Kräfte des Heiligen Krieges in der Region zu einen», erklärt der marokkanische Politologe Mohammed Darif. Vorfälle wie nun in Casablanca und Algier seien ein Anzeichen dafür, dass die Strategie greife, heißt es. «Schlafende Terrorzellen sind diesem Ruf jetzt gefolgt», meint der Kommentator Mohammed Tozi.
Auch die Schießereien zwischen dem Militär und islamistischen Extremisten in Tunesien vor wenigen Monaten scheinen diesem Modell zu folgen. Im Schatten glitzernder Bürotürme sind die Elendsviertel Casablancas und anderer Städte der Region mit ihrer Armut und hohen Arbeitslosigkeit ein fruchtbarer Nährboden für radikale Islamisten. In den Baracken-Slums von Marokko werden kleinere, oftmals voneinander unabhängige Terrorzellen vermutet, die schwierig zu kontrollieren sind.
Die Situation beunruhigt auch Länder wie Spanien und Frankreich, wo Hunderttausende Einwanderer aus den Maghreb-Staaten leben, zu denen neben Marokko und Algerien auch Tunesien zählt. Ein Großteil der Terroristen etwa, die als Urheber der Madrider Anschläge vom 11. März 2004 mit 191 Toten und mehr als 1800 Verletzten ermittelt wurden, stammt aus Marokko.
Zu der Expansion Al Qaedas gehört nach Überzeugung von Antiterrorexperten aber noch eine weitere Komponente: In den Staaten der benachbarten weitläufigen Sahel-Zone, zu der unter anderem der Tschad, Niger, Mali und Mauretanien gehören, habe sich das Terrornetz längst ein neues Operationsgebiet samt Ausbildungslagern für «Gotteskrieger» erschlossen. (Jörg Vogelsänger/dpa)

