Der Stachel im Fleisch der USA
10. Mrz 2007 09:46
 |  Osama bin Laden in einer seiner Video-Botschaften | Foto: dpa |
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«Tot oder lebendig» will US-Präsident Bush seinen Erzfeind Osama bin Laden haben. Doch der geht seinen Verfolgern nicht ins Netz - und begeht nun auch noch einen runden Geburtstag.
Wäre es nach US-Präsident George W. Bush gegangen, wäre der meistgesuchte Mann der Welt nur 44 Jahre alt geworden. «Tot oder lebendig» wolle man Osama bin Laden haben, hatte Bush nach den Anschlägen vom 11. September 2001 verkündet, und 25 Millionen Dollar Kopfgeld auf den Al-Qaeda-Chef ausgesetzt. Doch weder Kopfgeld noch Geheimdienstler, Sondereinheiten oder Drohnen konnten den Terroristen zur Strecke bringen.Glaubt man Taliban-Militärchef« Mullah Dadullah, ist Bin Laden am Leben, und wenn die Angaben von Interpol stimmen, begeht der Islamist am heutigen Samstag seinen 50. Geburtstag - in Freiheit. »Er ist noch kein Märtyrer geworden«, sagte Dadullah in einem vergangene Woche vom britischen Sender Channel 4 ausgestrahlten und übersetzten Video. »Wir wissen, dass er noch lebt.«
Manches spricht nach Ansicht von Experten dafür, dass Dadullah Recht haben könnte: So würden sich Bin Ladens Gefolgsleute kaum entgehen lassen, den Tod ihres Anführers zu verkünden. Der Terrorchef würde zum Märtyrer, der trotz beispielloser Fahndung nie ins Netz gegangen wäre. Der US-Regierung wäre jede Chance genommen, ihren Staatsfeind Nummer Eins lebend gefangen nehmen und ihn - wie den gedemütigten irakischen Ex-Diktator Saddam Hussein - vor Gericht stellen zu lassen.
Spur noch nicht erkaltet
Auch in Washington scheint man zu glauben, dass Bin Laden noch am Leben ist. »Berichte, dass die Spur eiskalt geworden ist, sind nicht korrekt«, zitierte der US-Sender ABC vor wenigen Tagen einen nicht näher genannten Regierungsbeamten. Der Geheimdienst CIA schicke daher zusätzliche Spezialkräfte ins pakistanische Grenzgebiet zu Afghanistan, wo Bin Laden vermutet wird.
Doch der bärtige und laut Interpol stattliche 1,96 Meter große Islamist, der Turban trägt und sich früher gerne mit Maschinenpistole ablichten ließ, steht schon lange im Ruf, seinen Häschern immer wieder zu entkommen. In einer »Kriegserklärung« rief Bin Laden 1998 Muslime weltweit dazu auf, Amerikaner zu töten. Dabei waren es einst ausgerechnet die USA, die bei Bin Ladens Aufstieg halfen.
17. Kind reicher Saudis
Der Spross eines reichen saudischen Bauunternehmers - er soll das 17. Kind seines Vaters sein - war in den 80er Jahren Mitorganisator des von Washington unterstützten Widerstands der Mudschaheddin gegen die sowjetischen Besatzer in Afghanistan. Ende der 80er Jahre ging aus Bin Ladens Netzwerk Al Qaeda, die Basis, hervor. Seitdem werden die Zellen seiner Terror-Truppe und ihrer Verbündeten für zahlreiche Anschläge verantwortlich gemacht, denen inzwischen Menschen in etlichen Ländern zum Opfer fielen. Bin Laden selber überlebte 1996 in Khartum (Sudan) ein Attentat. Im August 1998 verfehlten ihn US-Marschflugkörper in Afghanistan.
Der Einmarsch der US-geführten Koalitionstruppen dort stürzte zwar Ende 2001 das Taliban-Regime, das sich geweigert hatte, den mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von New York und Washington auszuliefern. Doch der Terrorist, der sich in seine Bergfestung Tora Bora zurückgezogen hatte, entkam erneut. Seitdem wurden zwar mehrere Al-Qaeda-Führungskader gefasst, doch sie bewiesen ihrem Idol offenbar auch in Gefangenschaft Loyalität - jedenfalls führten ihre Verhöre nicht zur Festnahme Bin Ladens.
Symbolfigur des islamistischen Terrors
So ungeklärt wie die Frage nach dem Ort seines Verstecks ist auch die nach seiner Rolle bei Al Qaeda: Westliche Experten vermuten, er sei inzwischen mehr Symbolfigur des islamistischen Terrors denn tatsächlicher Organisator von Anschlägen. Bei allen offenen Fragen steht allerdings eines fest: Auch fast fünfeinhalb Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 bleibt das Phantom Bin Laden ein Stachel im Fleisch der einzigen verbliebenen Weltmacht USA. (Can Merey, dpa)