Al-Dschasira-Mitarbeiter in Guantánamo gefangen
Unter den Häftlingen, denen Verbindungen zu Al Qaeda und den Taliban vorgeworfen werden, ist der Sudanese vermutlich der einzige Journalist eines großen internationalen Medienunternehmens. Angeklagt ist er bis heute nicht. Dass er in Guantanamo festgehalten wird, räumten die US-Streitkräfte erst im vergangenen April öffentlich ein, als sie auf Aufforderung der Nachrichtenagentur AP eine Liste der Häftlinge veröffentlichen mussten.
Bei einer Anhörung im August 2005 lehnte Hadsch es auf Anraten seines Anwalts ab, auf Fragen zu antworten. Den Vorwurf, er habe Verbindungen zu Terroristen, wies er jedoch zurück. «Bei allem Respekt: Es ist ein Fehler gemacht worden. Ich war niemals Mitglied einer terroristischen Vereinigung», erklärte er laut einem inzwischen veröffentlichten Protokoll. «Ich kann ohne Zögern sagen, dass ich keine Bedrohung für die Vereinigten Staaten bin.»
Seinem Anwalt zufolge brachte Hadsch im Auftrag seiner Firma ein einziges Mal eine große Summe Bargeld nach Aserbaidschan - die er sogar beim Zoll anmeldete. Seit 2000 arbeitet er für Al Dschasira und sollte Ende 2001 mit einem Fernsehteam nach Afghanistan reisen. Die Gruppe wurde von der pakistanischen Polizei aufgehalten, Hadsch wurde als einziger festgenommen.
«Er ist unsere Kollege, daher sind wir sehr besorgt», sagt Aufnahmeleiter Nassef Salah Eldin. «Wir befürchten, dass das jedem von uns passieren könnte.» Hadschs Festnahme wird bei Al Dschasira auch als Schikane gegen den Sender gesehen: 2001 zerstörte eine amerikanische Rakete die Al-Dschasira-Redaktion in Kabul. Zwei Jahre später wurde ein Journalist getötet, als die Redaktion in Bagdad während eines US-Bombenangriffs getroffen wurde.
«Wenn man einmal getroffen wird, könnte das ein Versehen gewesen sein», sagt Mitarbeiter Lamis Andoni. «Aber wenn man zwei Mal bombardiert wird, dann geht es um etwas anderes.»

