01. Feb 2007 07:14
Im Kampf gegen die Umtriebe von Terroristen im Internet haben deutsche Geheimdienste Mühe, Schritt zu halten. Auf dem neusten Stand der Technik zu sein, «ist immer ein Hase-und-Igel-Spiel», heißt es aus dem Kanzleramt.
Spätestens eine E-Mail an Nachrichtenagenturen mit dem Link auf die weltweit verfügbare Videobotschaft reicht, um rund um den Erdball Aufmerksamkeit zu erregen. «Ein nicht unwesentlicher Teil terroristischer Propaganda wird im Internet verbreitet», warnt denn auch Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU), zu dessen Arbeitsbereich auch die Koordination der deutschen Geheimdienste gehört.Auch Al-Qaeda-Vize Ayman al Zawahiri warnte vergangene Woche - vor dem größten Terrorakt aller Zeiten: Die USA seien mit dem islamischen Zorn konfrontiert und müssten mit einem Vergeltungsschlag in nie «dagewesener Größe rechnen», hetzte Zawahiri in einem Online-Video.
All diese Fähigkeiten konzentriert die Bundesregierung in ihrer neuen Fahndungsstelle für das Internet, die sie Anfang Januar im Gemeinsamen Terror-Abwehr-Zentrum von Polizei und Geheimdiensten eingerichtet hat. Diese «Internet Monitoring und Analysestelle» soll Verdächtiges im Internet aufspüren, auswerten und damit Gefährdungen verhindern helfen. In den Ländern durchkämmen Experten des Verfassungsschutzes das Web, um auf verdächtige Tendenzen in ihren Regionen aufzuspüren. Doch oft sind sie dabei auf konventionelle Mittel angewiesen: Der Hinweis auf den Iraker Ibrahim R. aus dem Niedersächsischen Georgsmarienhütte etwa kam per Telefon. Die Polizei hatte den 36-Jährigen im Oktober festgenommen, weil er Audio- und Videobotschaften der Al-Qaeda- Spitze aus dem Internet heruntergeladen und weiterverbreitet hatte. Ihm war bislang aber keine Verbindung zu dem Terrornetzwerk nachzuweisen.
Doch damit sei terroristische Gefahr nicht gebannt, sagt der Kanzleramtschef. Denn bei den Anschlägen der vergangenen Jahre sei der technische Aufwand der Terroristen eher gering gewesen. «Die Gefährlichkeit der heutigen Terroranschläge liegt im Überraschungseffekt und darin, dass sie unerkannt vorbereitet werden», sagt de Maizière. So seien bei den Anschlägen von London vor zwei Jahren «bislang völlig unauffällige Personen» im Verlauf eines halben Jahres zu Attentätern geworden.