01.02.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Im Kampf gegen die Umtriebe von Terroristen im Internet haben deutsche Geheimdienste Mühe, Schritt zu halten. Auf dem neusten Stand der Technik zu sein, «ist immer ein Hase-und-Igel-Spiel», heißt es aus dem Kanzleramt.
Eine Videokamera, ein Computer mit Internetanschluss und ein wenig technisches Verständnis es gehört nicht viel dazu, ein Video auf einer Webseite zu veröffentlichen. Längst nehmen Terroristen nicht mehr den Umweg über ihre bisherige Abspielstation für Droh-Filme, den in Katar ansässigen TV-Sender Al Dschasira. Der Weg über das Internet ist billiger, einfacher und von größerer Reichweite.
Spätestens eine E-Mail an Nachrichtenagenturen mit dem Link auf die weltweit verfügbare Videobotschaft reicht, um rund um den Erdball Aufmerksamkeit zu erregen. «Ein nicht unwesentlicher Teil terroristischer Propaganda wird im Internet verbreitet», warnt denn auch Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU), zu dessen Arbeitsbereich auch die Koordination der deutschen Geheimdienste gehört.
Auch Al-Qaeda-Vize Ayman al Zawahiri warnte vergangene Woche - vor dem größten Terrorakt aller Zeiten: Die USA seien mit dem islamischen Zorn konfrontiert und müssten mit einem Vergeltungsschlag in nie «dagewesener Größe rechnen», hetzte Zawahiri in einem Online-Video.
Mühe, Schritt zu haltenIm Internet liefern sich die deutschen Geheimdienste nach Einschätzung von de Maizière mit Terroristen ein permanentes Versteckspiel. «Verabredungen von Extremisten im Internet aufzudecken, ist wie die Nadel im Heuhaufen zu suchen», räumt de Maizière im Gespräch mit Netzeitung.de ein. Terroristen und Verbrecher verabredeten sich in virtuellen Gesprächsforen, rekrutierten Mitstreiter und planten Anschläge. «Die Sicherheitsbehörden haben alle Mühe, Schritt zu halten und in diese Chatrooms reinzukommen», so de Maizière.
In die Tiefen des Cyber-Terrorismus vorzudringen, erfordere daher größere Anstrengungen der Behörden. Auf dem neusten Stand der Technik zu sein, «ist immer ein Hase-und-Igel-Spiel», erläutert de Maizière. «Wir sind dabei, technisch nachzurüsten.»
Nicht darauf ausruhenEntscheidend für den Erfolg der Geheimdienstarbeit ist für de Maiziere die richtige Mischung aus menschlicher Kompetenz und Technologie. «Wir brauchen vor allem Kenntnisse von Sprachen und Mentalitäten.» Aber auch die Qualifikation der vorhandenen Mitarbeiter werde ausgeweitet, etwa im Bereich der Sprachkenntnisse. «Wir sind da schon ganz gut aufgestellt, darauf dürfen wir uns aber nicht ausruhen.»
All diese Fähigkeiten konzentriert die Bundesregierung in ihrer neuen Fahndungsstelle für das Internet, die sie Anfang Januar im Gemeinsamen Terror-Abwehr-Zentrum von Polizei und Geheimdiensten eingerichtet hat. Diese «Internet Monitoring und Analysestelle» soll Verdächtiges im Internet aufspüren, auswerten und damit Gefährdungen verhindern helfen. In den Ländern durchkämmen Experten des Verfassungsschutzes das Web, um auf verdächtige Tendenzen in ihren Regionen aufzuspüren.
Doch oft sind sie dabei auf konventionelle Mittel angewiesen: Der Hinweis auf den Iraker Ibrahim R. aus dem Niedersächsischen Georgsmarienhütte etwa kam per Telefon. Die Polizei hatte den 36-Jährigen im Oktober festgenommen, weil er Audio- und Videobotschaften der Al-Qaeda- Spitze aus dem Internet heruntergeladen und weiterverbreitet hatte. Ihm war bislang aber keine Verbindung zu dem Terrornetzwerk nachzuweisen.
Doch damit sei terroristische Gefahr nicht gebannt, sagt der Kanzleramtschef. Denn bei den Anschlägen der vergangenen Jahre sei der technische Aufwand der Terroristen eher gering gewesen. «Die Gefährlichkeit der heutigen Terroranschläge liegt im Überraschungseffekt und darin, dass sie unerkannt vorbereitet werden», sagt de Maizière. So seien bei den Anschlägen von London vor zwei Jahren «bislang völlig unauffällige Personen» im Verlauf eines halben Jahres zu Attentätern geworden.