netzeitung.deDoppelt soviel Hungerstreikende in Guantanamo

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Am Lager Guantanamo (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Am Lager Guantanamo
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Am Donnerstag vor fünf Jahren kamen die ersten Gefangenen ins US-Lager an der Guantanamo Bay auf Kuba. Ein knappes Dutzend isst derzeit aus Protest nichts mehr.

Zum fünften Jahrestag der Ankunft der ersten Gefangenen im US-Militärgefängnis Guantanamo befinden sich elf Häftlinge im Hungerstreik. Das sind sechs mehr als Anfang Dezember, wie die US-Streitkräfte am Montag mitteilten.

Die Militärführung bewertet den Hungerstreik als Versuch, die Haltung der Weltöffentlichkeit zu dem Gefängnis an der Ostspitze von Kuba zu beeinflussen. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International sehen darin hingegen ein Signal für die Verzweiflung der Gefangenen.

Die USA internieren in dem Lager Menschen, die sie verdächtigen, Taliban- und Al Qaeda-Kämpfer zu sein. Derzeit sind in dem Lager knapp 400 aus mehr als 40 Nationen interniert, zum Teil schon seit mehr als viereinhalb Jahren ohne Anklage oder Zugang zu Anwälten.

Flugplätze, Krankenhaus und Badestrand
und Die Haftbedingungen kritisierten Menschenrechtsorganisationen wiederholte Male. Das Anfangs genutzte Camp X-Ray mit seinen Metallgitterzellen und -zäunen schlossen die USA vor Jahren. Seither sitzen die Gefangenen im Camp Delta nahe der Küste ein. Immer wieder gab es Berichte über Gefangenenmisshandlungen in Guantánamo. Das Lager wurde neben dem Militärgefängnis von Abu Ghoreib im Irak zum Symbol für amerikanische Menschenrechtsverletzungen.

Den Flottenstützpunkt im Osten der Insel unterhalten die Vereinigten Staaten seit 1903. Ein 28 Kilometer langer Grenzzaun mit 44 Wachtürmen umschließt Guantánamo Bay. Auf 117,6 Quadratkilometern gibt es außer dem Gefangenenlager zwei Flugplätze, ein Krankenhaus, mehrere Wohnsiedlungen und Badestrände.

Das Oberste Gericht befand 2004, dass grundsätzlich auch in Guantánamo US-Recht gelten müsse. Die Gefangenen könnten ihre Festnahme vor US-Gerichten anfechten. An der unbefristeten Haft ohne Anklage und Prozess hatte der Gerichtshof allerdings nichts auszusetzen. Anfang Juli erklärte der oberste US-Gerichtshof die geplanten Militärtribunale für illegal. Sie verstießen gegen die Verfassung und die Genfer Konventionen. (nz)