netzeitung.deKurnaz erkennt KSK-Soldat auf Foto

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KSK-Soldaten (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe KSK-Soldaten
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Bei den Ermittlungen gegen deutsche Soldaten wegen der Vorwürfe des ehemaligen Guantanamo- Häftlings Kurnaz ist die drohende Verjährung abgewendet. Kurnaz erkannte einen Uniformierten der Bundeswehr- Elitetruppe KSK auf Fotos der Ermittler.

Nach den Misshandlungsvorwürfen des ehemaligen Guantánamo- Häftlings Murat Kurnaz steigt die Wahrscheinlichkeit eines Prozesses gegen Soldaten der Bundeswehr. Die Staatsanwaltschaft Tübingen teilte am Montag mit, dass sie weiter gegen zwei Soldaten des Bundeswehr-Kommandos Spezialkräfte (KSK) ermittle. Kurnaz habe auf einem ihm vorgelegten Foto jenen Soldaten erkannt, der ihn während seiner Gefangenschaft in einem US-Lager in Afghanistan an den Haaren gepackt und seinen Kopf auf den Boden geschlagen haben soll.

Der Fall drohte zu verjähren. Bis Ende Dezember hatte die Staatsanwaltschaft Zeit, Soldaten als mögliche Täter zu ermitteln. Den KSK-Angehörigen werde gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung im Amt vorgeworfen, hieß es weiter.

Die Staatsanwaltschaft hatte Kurnaz Fotos von 14 KSK-Soldaten vorgelegt, die zu ihm Kontakt hätten haben können, sowie 34 weitere Bilder von Unbeteiligten in Uniform. Die Strafverfolger in Tübingen sind zuständig, weil die Eliteeinheit KSK ihren Sitz in schwäbischen Calw hat.

Kurnaz hatte im Oktober in einem Interview erstmals gesagt, dass ihm ein KSK-Soldat in dem Gefangenenlager Anfang 2002 den Kopf auf den Boden geschlagen habe. Ein zweiter Soldat soll dabei gewesen sein. Die Soldaten hätten Deutschland- Flaggen auf ihren Uniformärmeln getragen und ihn auf Deutsch angesprochen. Der Vorwurf hatte für heftige öffentliche Reaktionen gesorgt. Der Bundestag plant eine parlamentarische Untersuchung, die noch in diesem Monat beginnen soll.

Kopf unter Wasser?
Die angebliche Misshandlung durch den oder die Soldaten soll sich etwa nach zwei Wochen Haft im afghanischen Kandahar zugetragen haben. Der heute 24-jährige Schiffsbauer war im Dezember 2001 ins pakistanische Peshawar gereist, dort von pakistanischen Sicherheitskräften als angeblicher Taliban-Kämpfer verhaftet und von US-Behörden ins benachbarte Afghanistan gebracht worden. 2002 kam er in das US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba.

Bereits mehrfach hatten Kurnaz und sein Anwalt beklagt, Soldaten hätten ihn dort auch mit dem Kopf unter Wasser getaucht und ihm Elektroschocks versetzt. In Guantánamo sollen ihn auch mehrfach Beamte des Bundesverfassungsschutzes und des Bundeskriminalamts vernommen haben. Erst nach vier Jahren - im August 2006 – kam Kurnaz frei. (nz)