Bush und Blair sollen in Anti-Terror-Datei
01.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Auf Ablehnung stieß das Gesetz bei FDP, Grünen und Linke. Linksfraktionschef Oskar Lafontaine wies darauf hin, dass nach dem im Gesetzentwurf enthaltenen Terrorismusbegriff auch Mitglieder des Bundestags, US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair in die Datei aufgenommen werden müssten. Im Gesetz stehe, dass Personen betroffen seien, die rechtswidrig Gewalt als Mittel zur Durchsetzung international ausgerichteter politischer oder religiöser Belange anwendeten. «Der Jugoslawienkrieg war ein Bruch des Völkerrechts ebenso wie die Kriegführung bis zum heutigen Tage in Afghanistan gegen das Völkerrecht verstößt», sagte Lafontaine.
Trotz anhaltender Kritik hatte der Bundestag am Freitag mit Koalitionsmehrheit die Einrichtung der umstrittenen Anti-Terror-Datei beschlossen. Die Datei soll ab kommendem Jahr Informationen von Polizei und Geheimdiensten verknüpfen. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) begründete dies mit dem Ziel, in einer gefährlichen Zeit das Menschenmögliche an Sicherheit zu gewährleisten. Vorwürfe, das Vorhaben verstoße gegen Verfassung und Datenschutz und führe zu einem Überwachungsstaat, wies Schäuble zurück. Auch der SPD-Politiker Klaus Uwe Benneter verteidigte das Gesetz: «Dem Netzwerk der Terroristen stellen wir hier ein Netzwerk der Sicherheit entgegen.»
Nach jahrelangem Streit hatten sich Bund und Länder unter dem Eindruck der fehlgeschlagenen Kofferbomben-Anschlägen im Sommer auf die Datei verständigt. Sie soll die Erkenntnisse von insgesamt 38 Polizeibehörden und Nachrichtendiensten des Bundes und der Länder zum Terrorismus bündeln. Der Kern der Datei enthält nur die Angaben, die zur Identifizierung eines Terrorverdächtigen notwendig sind. Zugang zu einem erweiterten Datenbestand mit Informationen gibt es erst auf Anfrage. In eiligen Fällen aber soll der Zugriff gleich möglich sein.(nz)

