Der Grünen-Politiker Wolfgang Wieland warnte dagegen vor einem «Datenmoloch» und einem rechtsstaatlichen Dammbruch. «Beide Gesetze atmen den Geist des Überwachungsstaates.» Auch die FDP hegt verfassungsrechtliche Bedenken. Ihr Innenpolitiker Max Stadler forderte zudem eine bessere Kontrolle der Geheimdienste. Trotz anhaltender Kritik hatte der Bundestag am Freitag mit Koalitionsmehrheit die Einrichtung der umstrittenen Anti-Terror-Datei beschlossen. Die Datei soll ab kommendem Jahr Informationen von Polizei und Geheimdiensten verknüpfen. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) begründete dies mit dem Ziel, in einer gefährlichen Zeit das Menschenmögliche an Sicherheit zu gewährleisten. Vorwürfe, das Vorhaben verstoße gegen Verfassung und Datenschutz und führe zu einem Überwachungsstaat, wies Schäuble zurück. Auch der SPD-Politiker Klaus Uwe Benneter verteidigte das Gesetz: «Dem Netzwerk der Terroristen stellen wir hier ein Netzwerk der Sicherheit entgegen.»
Nach jahrelangem Streit hatten sich Bund und Länder unter dem Eindruck der fehlgeschlagenen Kofferbomben-Anschlägen im Sommer auf die Datei verständigt. Sie soll die Erkenntnisse von insgesamt 38 Polizeibehörden und Nachrichtendiensten des Bundes und der Länder zum Terrorismus bündeln. Der Kern der Datei enthält nur die Angaben, die zur Identifizierung eines Terrorverdächtigen notwendig sind. Zugang zu einem erweiterten Datenbestand mit Informationen gibt es erst auf Anfrage. In eiligen Fällen aber soll der Zugriff gleich möglich sein.(nz)