Bundestag beschließt Anti-Terror-Datei
01.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Die Opposition stimmte dagegen. FDP, Linkspartei und Grüne befürchten Verstöße gegen Verfassung und Datenschutz. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) wies den Vorwurf zurück und drang darauf, in einer gefährlichen Zeit das Menschenmögliche an Sicherheit zu gewährleisten.
Das Bundeskriminalamt soll nun die Anti-Terror-Datei einrichten. Sie wird damit die bei Polizei und Geheimdiensten vorhandenen Informationen vernetzen und unter bestimmten Voraussetzungen allen Sicherheitsdiensten zugänglich machen. Erfasst werden sollen laut Gesetz Unterstützer terroristischer Vereinigungen sowie gewaltbereite Extremisten. Dies war im Vorfeld heftig umstritten. Doch unter dem Eindruck der fehlgeschlagenen Kofferbomben-Anschläge im Sommer hatten sich Bund und Länder auf ein Gesetz verständigt.
Die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 befristet erlassenen Anti-Terror-Gesetze werden zudem um weitere fünf Jahre verlängert. Im Zuge dessen erhalten die Geheimdienste mehr Befugnisse - etwa, um gegen so genannte Hassprediger vorzugehen - und Auskünfte über Flugdaten und Telefonverbindungen werden leichter verfügbar.
Mit der Datei vermeidet Deutschland Schäuble zufolge auch Fehler der USA. So seien dort vor dem 11. September alle notwendigen Erkenntnisse vorhanden, aber nicht miteinander verknüpft gewesen. «Terrorismus ist eine akute Gefahr in unserem Land», warnte SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz. «Wir haben keine Hysterikerdebatte, aber sind auch nicht naiv.»
Die Liberalen hegen aber verfassungsrechtliche Bedenken gegen die jetzt geplante Form mit erweiterten Grunddaten. FDP- Innenpolitiker Max Stadler forderte zudem, mit der Verlängerung der Sicherheitsgesetze nun endlich eine bessere Kontrolle der Geheimdienste einzuführen. Auch darüber hatte es in den vergangenen Monaten eine intensive Debatte gegeben.
Der Linksfraktions-Abgeordnete Jan Korte prophezeite, das Vorhaben werde vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelt. Die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit werde abermals zu Lasten der Freiheit gekippt. (nz)

