Bund sieht Kurnaz' Folter-Vorwurf unbestätigt
05.10.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Das Ministerium will Kurnaz' Vorwürfe nun untersuchen. Er nehme die Schilderungen sehr ernst und werde für Aufklärung sorgen, so Jung. Ein Ministeriumssprecher hatte zuvor gesagt, die damals eingesetzten Soldaten würden befragt. Dies habe zunächst keine Anhaltspunkte dafür ergeben, «dass deutsche Soldaten damals an Verhören eines deutschsprachigen Gefangenen des US-Militärs beteiligt waren. Von Misshandlungen ist nichts bekannt.»
2002 brachten US-Kräfte Kurnaz in das US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba. Wie der «Stern» berichtete, verhörten ihn dort nicht nur einmal Beamte des Bundesverfassungsschutzes und des Bundeskriminalamts. So hatten es Spitzenbeamte im Geheimdienst-Kontrollgremium des Bundestages geschildert. Mitarbeiter des Verfassungsschutzes hätten Kurnaz ein weiteres Mal vernommen, berichtete das Magazin.
Kurnaz saß vier Jahre in Guantánamo fest, ohne Haftbefehl oder Verfahren. Erst im August 2006 kam er frei und reiste nach Deutschland. Erste Fotos zeigten ihn mit einer schwarzen Kappe auf dem Haar und mit langem Bart. Generell wird der rot-grünen Bundesregierung vorgeworfen, nicht genug für eine vorzeitige Freilassung des Türken getan zu haben. (nz)

