netzeitung.deBund sieht Kurnaz' Folter-Vorwurf unbestätigt

 Herausgeber: netzeitung.de

Bundesverteidigungsminister Jung (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bundesverteidigungsminister Jung
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Bundesregierung prüft den Vorwurf, deutsche Soldaten hätten in Afghanistan den Deutsch-Türken Kurnaz misshandelt. Erste Befragungen damals eingesetzter Soldaten seien ergebnislos verlaufen.

Das Verteidigungsministerium hat nach eigener Darstellung keine Hinweise darauf, dass der Deutsch-Türke Murat Kurnaz von Bundeswehrsoldaten misshandelt worden sein soll. «Wir haben bisher noch keine Anhaltspunkte dafür», sagte Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) am Mittwochabend in Berlin.

Der 2001 in Pakistan festgenommene und nach Afghanistan verschleppte Kurnaz hatte in einem Interview gesagt, zwei Männern mit Bundesflaggen an den Uniformen hätten ihn in einem Lager in Kandahar misshandelt. Nach Informationen des Magazins «Stern» waren damals in Afghanistan Bundeswehrsoldaten des im baden-württembergischen Calw angesiedelten Kommando Spezialkräfte (KSK) im Einsatz. Sie sollen die damals einzigen in Kandahar stationierten deutschen Militärs gewesen sein.

Das Ministerium will Kurnaz' Vorwürfe nun untersuchen. Er nehme die Schilderungen sehr ernst und werde für Aufklärung sorgen, so Jung. Ein Ministeriumssprecher hatte zuvor gesagt, die damals eingesetzten Soldaten würden befragt. Dies habe zunächst keine Anhaltspunkte dafür ergeben, «dass deutsche Soldaten damals an Verhören eines deutschsprachigen Gefangenen des US-Militärs beteiligt waren. Von Misshandlungen ist nichts bekannt.»

Zweite Vernehmung
Bereits mehrfach hatten der heute 24-jährige Kurnaz und sein Anwalt beklagt, Soldaten hätten ihn im afghanischen Kandahar mit dem Kopf unter Wasser getaucht und ihm Elektroschocks versetzt.

2002 brachten US-Kräfte Kurnaz in das US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba. Wie der «Stern» berichtete, verhörten ihn dort nicht nur einmal Beamte des Bundesverfassungsschutzes und des Bundeskriminalamts. So hatten es Spitzenbeamte im Geheimdienst-Kontrollgremium des Bundestages geschildert. Mitarbeiter des Verfassungsschutzes hätten Kurnaz ein weiteres Mal vernommen, berichtete das Magazin.

Kurnaz saß vier Jahre in Guantánamo fest, ohne Haftbefehl oder Verfahren. Erst im August 2006 kam er frei und reiste nach Deutschland. Erste Fotos zeigten ihn mit einer schwarzen Kappe auf dem Haar und mit langem Bart. Generell wird der rot-grünen Bundesregierung vorgeworfen, nicht genug für eine vorzeitige Freilassung des Türken getan zu haben. (nz)